Tage 83 – 90 Istanbul – Le Fin!

ISTANBUL!

Geschafft! Yiiiiiiiiiiiiihaaaaaaaaaaaaa!

DSCN3843

das Bild ist am 3. Tag entstanden weil ich gemerkt hab dass die andern nichts geworden sind, der Bart lügt nicht

Eigentlich verrückt… nach 4120 km und 34064 hm bin ich am Ziel! Stolz rolle ich auf der Straße zwischen Hagia Sopgia (türkisch : Ayasofya) und der Sultan-Ahmed-Moschee (blaue Moschee) ein. Der letzte Tag war hart, 84 km auf einer dicht befahrenen Straße. Nicht nur einmal war nur ein Zentimeter zwischen mir und einem der verrückten Busfahrer. Dennoch hatte ich nie! das Gefühl grad haarscharf dem Tod entronnen zu sein *lalala*. Der Verkehr ist eben ganz normaler Großstadtverkehr auch nicht wilder als in München oder Berlin. Meine Vorstellung von indischen Zuständen hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Vielleicht bin ich auch einfach nur abgestumpft was dies betrifft.

Ich hab heut zum zweiten Mal Mark getroffen, einen Holländer, der genau wie ich ab München die Route gefahren ist. Sein Weg war allerdings nur 2700 km lang und ist die Strecke in unter einem Monat gefahren, er fliegt von hier weiter nach Korea und studiert dort ein Semester Aerospace Engineering. Die selben Länder aber eben nicht der selbe Trip. Dies war / ist mein ganz persönliches Erlebnis, so wird das wohl nie wieder jemand erleben und deshalb fühl ich ein überwältigendes Gefühl von Dankbarkeit. Dankbarkeit, dass alles so gut geklappt hat, dass ich so tolle Menschen kennen gelernt hab, dass ich  Angekommen bin! Yiiiiiiiiiiihaaaaaaaaaaaaa! Jetzt genieße ich in Ruhe die Stadt, springe ein Paar Tage von Hostel zu Hostel, flaniere durch die Gassen, lass mich im Hamam abschrubben und genieße vor Allem das gute Essen, Kaffee/Chai und das Menschen beobachten. Mein Plan steht, ich erkunde Istanbul mit dem Rad, ganz gechilled und ruh mich die restliche Zeit in einem der vielen Parks aus.  Wie meine Lieblingsradlerin Evelin so schön gesagt hat: ‚Genieße Hamam und „Hamham“ ‚.

DSCN3757DSCN3810 DSCN3811

Sightseeing Stress

Ich hab mich während der Reise oft gefragt, ob die Zeit, die ich zum Schreiben dieser Zeilen verwende, nicht sinnvoller beim Besichtigen oder beim Leute kennen lernen aufgehoben wäre. In Istanbul angekommen lautet die Antwort immer noch „Nein“. Das Schreiben ist zum festen Bestandteil meines Reisens geworden und macht mir sehr viel Spaß. Es ist Erholung und gleichzeitig hilft es Emotional „gesund“ zu bleiben. Jeden Tag passiert so viel, wenn man sich da nicht ein wenig zurück zieht und  ab und zu reflektiert wird man glaub ich irre. Vielen Dank an Laura und Chris, sie haben mir an der Stelle sehr geholfen zu verstehen wie wichtig das ist.

„Ali Baba und die 40 Lederjacken“ oder „Geschäft bleibt Geschäft und Schnaps bleibt Schnaps“

Ich wollte mir heute den großen Bazar ansehen, doch Sonntags ist dieser geschlossen. Ziellos streune ich durch die schönen Gassen in Erkundungslaune. Mein Blick fällt auf einen Schuhputzer. Er sitzt am Straßenrand und bemerkt, dass ich ihn ansehe. Ich bin schon an ihm vorbei, da ruft er mir hinter her. Ich zeige auf meine Crocs, das sind keine Schuhe die auch nur Wert sind noch einen Mittleidsgroschen auszugeben (die Sole ist mittlerweile so durch, dass ich überleg sie wegzuwerfen). Er wirft ein Paar Brocken in verschiedenen Sprachen heraus und ehe ich mich verseh häng ich an seinem Hacken.

Er kann ein wenig Deutsch. Wir reden über meinen Trip, über seine Familie, seine Arbeit, rauchen zusammen eine Zigarette. Mich treibts grad nicht weiter, der Basar hat ja zu, so bleib ich ein wenig sitzen. Nur Sonntags ist er Schuhputzer, sonst arbeitet er bei seinem Onkel im Teppich und Lederjacken Laden. Wir wechseln das Thema , er fragt mich ob ich etwas Suche oder brauche. Mir fällt das Hamam ein. Er gibt mir nen Tipp wo das Hamam nur 12 Euro kostet anstatt des Touristenpreises von 50… Ich freu mich, es entsteht eine kleine Pause , er fragt mich ob ich sehen will wie die Teppiche gemacht werden, der Laden ist nicht weit und er will jetzt dahin gehen. Ich freu mich noch mehr, hoffe auf einen Blick hinter die Kulissen. Er macht einen ordentlichen Eindruck. Auf dem Weg stellt er sich mir vor , sein Name ist Ali, seine Freunde nennen ihn Ali Baba. Ich scherze noch dass er ein Ganove ist und läute übers Ohr haut, als wir in Richtung des Ladens seines Onkels unterwegs sind.

Wir kommen am Laden des Onkels an. Er befindet sich im Keller eines Hauses , eine 3 Meter breite Treppe führt hinunter. Sieht alles ok aus , sind offizielle Läden. Wir stehen in einem Raum voll Lederjacken, in der Mitte befinden sich 5 bequeme Sessel. Ich werd eingeladen mich wie zuhause zu fühlen. Ich bekomm Apfel Chai, sehr lecker. Der Onkel spricht sehr gut Deutsch, er ist in der Lederwaren Branche und kennt Rosenheim. Er kennt auch einen Laden in Rosenheim für Ledergewand. Zufällig kenn ich den auch sehr gut 😉 Lieben Gruß an dieser Stelle. Für mich sehr lustig , bis er mir eine seiner Lederjacken raussucht. Aus Höflichkeit probiere ich sie an. Er redet sie mir schön, sagt die wird mich mein Leben an Istanbul erinnern, die hält sehr lang ist gute Qualität , aus Lammleder, Wasser resistent usw… ich dacht mir gleich, wenn ich hier eine Lederjacke kaufe, Köpft mich meine Freundin aus Rosenheim… außerdem nicht mein Stil und zu teuer. Er will 1200 türkische Lira , das sind 480 Euro. Ich erkläre ihm die Situation und beschwichtige ihn. Er fragt mich was ich bieten würde. Ich will nicht drauf eingehen, er setzt mich richtig unter Druck. Ab diesem Zeitpunkt wurd es sehr unangenehm. Ali Baba wurd merklich immer kleiner in seinem Sessel, auch führ ihn keine angenehme Situation, da ich nicht mit der Kohle rüber kommen will. Sein Onkel schaut ihn an als wolle er sagen „Was bringst du mir diesen Habenichts daher du Stümper“. Ich lehne immer noch ab einen Preis zu nennen. Er fängt an mit dem Preis nach unten zu gehen. Er sagt 300 Euro. Ich Schüttel nur den Kopf und hebe abwehrend die Hände, ich will ja gar keine Lederjacke. Er wehrt dies nur ab und sagt es sei Kissmet, dass ich heut hier bin, ich soll ein tolles Andenken aus Istanbul mitnehmen. Ich bin heut sein erster Kunde das bringt Glück mit Geld, er mache mir ein gutes Angebot. Der „Onkel“ beginnt mir ein Angebot zu machen, dass er aber vorher erst mit seinem Kollegen oben absprechen muss, ob das in Ordnung geht, Die Preis purzelt und purzelt bis auf 170 Euro. Ich spüre förmlich, dass er seine Angebote nicht ernst meint, er ist sehr von der Qualität seiner Wahre überzeugt und will mich nur austesten wie viel Geld ich dabei hab,das ist mir klar(was wohl passiert wenn er weiß wieviel Geld ich dabei hab?).

Ich sag ihm, dass ich mir keine so teure Jacke kaufe, ich leb im Moment von 15 Euro am Tag…  Ich merk, diesen Mann ist nicht anders bei zu kommen , als zu gehen , ich stehe auf , er bleibt sitzen, ich reich ihm die Hand , er nimmt sie zuerst nicht, bleibt sitzen und schüttel dann kurz meine Hand. Ali Baba jedoch springt mit mir auf, führt mir nochmal die Jacke vor, der hats immer noch nicht kapiert. Der Zeitpunkt des Vorführens ist lang vorbei. Ich drehe mich zur Tür, Ali Baba steht aber in meinem Weg und fängt nun kit der Mitleidstour an. Er fängt an von seinen 5 Kindern zu reden und dass er ja nach Ankara muss… ich immer noch sehr unter Druck will die Situation beenden. Ich will ihm ein paar Lira Münzen geben. Er wehrt ab, er will Geld für den Tee… einen Schein… ich geb ihm 10 TL(4Euro) und geh zur Tür. Der Onkel sagt ich soll das Geld zurück nehmen( vielleicht würds seinem Ruf schaden). Ich lass ihm das Geld. Ich bin schon halb die Treppe oben, da stehen 2 Typen an den Stufen oben und fragen mich aus 3 Meter Entfernung wo mein Einkauf ist. Ich schüttel nur den Kopf und zucke mit den Schultern. Der Onkel kommt raus, winkt mit der Hand und ich kann raus.

Das war einfach eine unangenehme Situation in die ich mich selbst hingefahren hab und ich hab mich ordentlich danach geärgert. Warum geh ich in einen Laden, ich will ja gar nichts kaufen, warum trink ich dort Tee und glaub die wollen nur mit mir plaudern? Ganz einfach weil auf meiner Reise genau das ständig passiert. Aber dort bin ich anderen Menschen auf meinem Rad begegnet, heute bin ich kein Radfahrer mehr, ich bin in einer Hauptstadt mit 18 000 000 Millionen Einwohnern. Ich hab den magischen Schutzumhang des Radfahrerlebens bereits abgelegt. Nun frag ich mich was ist passiert und was lern ich draus?

Auf der Reise hat man oft nur wenig Zeit sich jemanden zu öffnen und Freunde zu werden, das macht anscheinend auch verletzlich. Hab ich Ali zu schnell vertraut? Vielleicht. Aber zieh ich daraus eine Konsequenz und verhalte mich nächstes Mal anders? Ich hab heut lange darüber nachgedacht. Nach dem mein Ärger über mich selbst und Ali verflogen war, wurd mir klar: das ist genau was ich mir die ganze Reise über mühsam erarbeitet habe. Mein Herz offen zu lassen und von mir ebenso  zu geben wie sich auch andere mir geöffnet haben und das war für mich überhaupt nicht leicht und ist es auch immer noch nicht. Ich bin froh, dass ich diese Lektion noch lern bevor ich nach Hause fahre. Rückschläge gibt es immer und jemand der ausnutzen wird was ich gebe. Aber ist es nicht besser Rückschläge in Kauf zu nehmen und dafür ab und zu unglaublich tolle Menschen kennen zu lernen.

Das war jetzt sehr persönlich, aber dieser Tag war dadurch  auch irgendwie zu spannend, um nicht darüber zu schreiben. Vielleicht bewahrt es ja jemand davor in Istanbul einen Laden aus gutem Willen zur Freundschaft zu betreten oder zumindest langt es über meine naivität zu lachen. Wie hat der Onkel so schön gesagt, Geschäft ist Geschäft und Schnaps ist Schnaps.

DSCN3868

Gittare adieu!  Bazar, kaufen! kaufen! Gerüche einfangen 

Am Tag nach dem Ali Baba Erlebnis steht der Bazar auf der Liste. Ich will so verhandeln lernen wie der Onkel (der war echt gut, das wurd mir erst im nachhinein richtig bewusst). Ich lauf den halben Tag über den Basar. Unmengen an Klamotten, Schmuck , Wasserpfeiffen, Gewürze, Bücher und Krimskrams den kein Mensch braucht. Eigentlich wollt ich handeln üben… aber sobald ich ein Teil sehe denk ich mir sofort „das würd ich niemals mit auf eine Radltour mitnehmen, also brauch ichs nicht“. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem großen Messer für den Gürtel und einer Reise Gitarre. Hab aber beides nicht gefunden, ich geh morgen nochmal hin, der Basar ist einfach zu groß und ich mag die Atmosphere. Achso, wieso Reisegitarre? Naja sowas gibts offiziel eigentlich nicht. Bisher hab ich noch keine Steelstring Gitarre mit normalen Griffbrett und kleinem Körper aufgetrieben(bin für jeden Tipp dankbar) und meine Kinder Nylon String Gitarre, tja die hab ich heut verschenkt an die glückliche Dame im Bild unten. Als ich heut Hostel gewechselt hab war ich ne Zeitlang in der Stadt unterwegs(wieder mit dem mgaischen Schutzumhang des Radels). Als ich dabei auf ner Stufe genüsslich Fladenbrot und Erdnussmusakka(keine Ahnung ob das so heißt, aber es schmeckt herrlich) verdrückt hab, spricht mich ein ganz normal gekleidetes Pärchen an. Sie sind Radlfahrer inkognito und heißen Huw & Camilla(http://pedallingcheerfully.wordpress.com/). Beide haben ihre Tour in Jork, England gestartet und wie ich 4000 km hinter sich, aber die flache Route über Serbien. Sie sind super nett und nach 20 min quatschen wusst ich , ok ich verschenk meine Gitarre, die soll noch weiter auf Reisen bleiben. Die beiden fahren in den Iran. Vielleicht treffe ich diese Gitarre ja  wieder, ich hab sie markiert xD. Ich fand die Vorstellung witzig eines Tags in einem Pfandhaus vorbei zu laufen und fest zu stellen, hey die hab ich auf Reisen geschickt. Man weiß ja nie, wo so eine gebrauchte Gitarre mal rum gekommen ist.

DSCN3854

Adieu Gitarre ! Camilla und Huw und ein seltsamer französischer Radfahrer im gelben tshirt

DSCN3860

Basar

DSCN3820

Ihr könnt euch nicht vorstellen wie lange ich vor diesem Fenster gestanden hab!!

DSCN3840

Ein Bäcker zeigt wie Baklava hergestellt wird. Die Mamis klatschen als sie anfassen dürfen wie dünn er den Teig macht

DSCN3841

Das Ende meiner Reise!

Wie komm ich heim? Mein Plan abenteuerlich nachhause zu kommen steht immer noch. Ich bin auf der Pirsch nach einer Mitfahrgelegenheit, da ergibt sich schon noch was , ansonsten sind die Flüge nicht zu teuer und Räder werden bis 22 kg kostenlos mitgenommen . Vielleicht hat auch einer unzähligen Teppichhändler einen fliegenden Teppich im Angebot 😉 Marke: „Nimbus Türkus“.

Was hat sich verändert?

Was hat sich verändert?  –  Irgendwie alles, ständig, die Welt steht nie still manchmal merken wirs und manchmal nicht. – Irgendwie auch nichts. Ich bin immer noch der selbe nur sehe ich manche Dinge jetzt mit ein bisschen mehr eigenen Gedanken und Erinnerungen.  Zum Beispiel Bushäuschen. Ich erkenne die 4 Sterne Deluxe Royal Ausstattung mit Windschutz, Regen resistent, bequemer Liegebank und Mülleimer mittlerweile aus 5 km Entfernung ;).  Sie sind deutlich in Komfort zu unterscheiden von löchrigen, vermüllten möchtegern Unterständen und sollten von jedem Radfahrer vermieden werden. Bushäuschen sind für mich Regenschutz, Sonnenschutz, Mittagsschläfchen-Unterkunft und die erste Anlaufstelle gegen akute Einsamkeit geworden. Im Bushäuschen findet man immer jemand zum reden und wenn man eine schwierige Unterhaltung auch mal mit einem gelangweilten „Und du so?“  am Laufen halten muss. Manchmal lernt man dort Spinner , Sänger , schnell und langsam Reisende kennen, lernt über die Kultur und Wirtschaft des Landes oder wie man einen Frosch fängt. Wenn ihr mirs net glaubt, probierts es aus , des geht bestimmt auch daheim :-). Spaß bei Seite. Studium lehrt einem nicht alles, das musst mir mit meinen 26 Jahren erstmal bewusst werden. Die wahre Schule für Menschenkenntnis, Orientierungssinn, Menschen ansprechen und Survivalknowledge ist: die Straße.

Was hab ich gelernt ? 

Was das Radfahren betrifft, der Wille ein Ziel zu erreichen und die richtige Pause zur richtigen Zeit bringen mich überall hin. Es gibt keine Grenzen außer im eigenen Kopf. Wenn mir jemand gesagt hat „Da kannst du nicht fahren, das ist unmöglich mit dem Rad“ wusst ich schon nach den ersten paar Tagen , ok das ist mein Weg. Manche Wege waren wirklich unmöglich und ich bin umgekehrt, aber manchmal ist es besser Dinge mit eigenen Augen zu sehn und bewusst aufzugeben, als es gar nicht erst zu versuchen. Wenn mir jemand diesen Satz gesagt hat , fingen meine Augen an zu lodern und zu funkeln. Manchmal war ich vielleicht nach einigen Stunden umherfahren wieder an der selben Stelle wie zu vor und ich wollt mir in den Arsch beißen, wegen einer weiteren unnötigen Odyssee. Doch im nachhinein würd ich wieder genauso fahren. Ich bin oft an Stellen hingekommen, so Atem beraubend und schön, dass ich weinend vor Glück und Anstrengung dort ankam. Die Irrwege gehören einfach dazu und die Zeit, die ich dadurch verloren hab, bescherten mir andere Begegnungen von denen ich keine Vermissen möchte. Hätte ich bei manchen Wegen gewusst, was an dem Tag noch auf mich zu kommt, wäre ich sie sicher nicht so „locker“ gefahren. Wer in Zukunft mit mir solche Reisen machen will, wird merken, dass es viel leichter ist, sich im Kopf auf das 1,5 bis 1,8 fache der geplanten Strecke einzustellen, um sich dann am Ende des Tages zu freuen, dass es doch weniger war.

In diesem Sinne – Keep on Swimming. Keep on Swimming. Keep on peddaling. (Finding Nemo 🙂 )

PS: Jeder ist eingeladen , der sich traut .) Was alles andere betrifft. Ich hab noch viel zu lernen und hab mir im Moment die beste Schule ausgesucht. Jeder wird dort aufgenommen und kann sich den Lehrplan zusammen stellen wie er will. Die Prüfungen kann man nur Lachend bestehen 🙂 denn es geht drum Vorwärts zu kommen und dabei Freude zu haben . Ich hoff ich konnte ein wenig meiner Freude in den Blog packen und mit euch teilen. Nochmal vielen Dank für den tollen Rückhalt und die Kommentare, ohne euch hätte ich das nicht ausgehalten und wäre schon recht früh am Anfang wieder umgedreht.

Le Fin

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | 11 Kommentare

Tage 70-82 irgend wann bleib in dann dort – Griechenland

Mimimi… 😛

Meine Reise neigt sich so langsam dem Ende zu. Ich hab noch 320 km bis Istanbul. Grad liege ich in Alexandroupoli in meinem Zelt, der letzten großen Stadt vor der Türkischen Grenze. Die letzten Tage bin ich täglich 100 km + x hm gefahren. Wenn ich so an mir hinab Blicke merke ich erst wie sehr ich meinen Körper die letzten 2 Wochen geschwunden hab. Mein Muskelkater ist enorm und meine Fettreserven wurden auch angepackt… mein Körper ist übersät mit Mückenstichen( diese Banditen!) die jucken wie die Sau und warum meine kleiner Zeh rot und geschwollen ist weiß nur das Vieh das sich in meinem Schuh in der Nacht eingenistet hat und es nicht lustig fand, als da am Morgen mein stinke Fuß hallo gesagt hat. Mein Magen spinnt immer noch, daher ist wohl auch die Energiezufuhr etwas behindert. Heute gönn ich mir einen Tag Pause und träume schon vom Türkischen Hammam das ich besuchen werd bis mein Körper wieder vollends aufm Dampfer ist. Von den kleinen Blessuren abgesehen, gehts mir fantastisch gut. Jeder Kilometer ist hart erkämpft und das Gefühl daher um so intensiver, immer näher an Istanbul heranzurücken. Als ich gestern den letzten Anstieg nach Alexandroupoli hinter mich gebracht hab und das Fahrrad begann den Berg hinabzurollen, kam mir ein Urschrei aus der Kehle bei dem jeder Bär mit Jungen reissaus genommen hätte. Immer wieder stehen Schilder mit der Aufschrift „-> Turkey“ am Straßenrand und da steigt Lebensfreude auf die ich nicht in meinem Körper halten kann 🙂 . Dies ist also mein vorletzter Tag in Griechenland, morgen geht über die Grenze, aber wie war eigentlich der Anfang ? Ich hab noch gar nichts berichtet was hier so passiert ist.

Griechenland

Die ersten Tage in Griechenland wollt ich nicht so recht warm werden mit den Menschen. Ich hatte zwar viel Kontakt, aber es hat irgendwie nie geklappt, dass ich irgendwo zum schlafen oder duschen unterkomm. So kam es, dass ich mal in Florina im Stadtpark oder in Thessaloniki auf einer Müllhalde geschlafen habe. Alles in allem geht hier aber wildcampen sehr gut, vorallem an der Küste. Ich musst oft an „Irgendwann bleib in dann dort“ von STS denken, wenn ich mein Zelt am Abend an einem fast einsamen Strand aufgeschlagen hab.

Rainbow

Mein erstes Ziel lag in den Bergen und garnicht so sehr auf meiner Route wie ich dachte… ich hab unterwegs schon mehrfach von europäischen Rainbow Gathering gehört. Als Rainbow Family bezeichnen sich Menschen auf der ganzen Welt, die naturverbunden Leben wollen und eine alternative Lebensweise pflegen(im Gegensatz zu unserer von Geld geprägten Gesellschaft). Das Treffen fand irgendwo tief in den Bergen auf 1800hm statt. Dort hinzukommen ist motorisiert schon garicht leicht und ich hab ja nur Butterbrotantrieb… ich hab 3 Tage gebraucht um dort hinzukommen, das letzte Stück hab ich dann meine Regel gebrochen und bin per Anhalter mitgefahren. Die Menschen waren einfach zu nett zu mir, ich konnt mich nicht durchsetzen da hochstrampeln zu wollen. Das hört sich jetzt alles sehr nach Komune und Hippis an, ist aber eigentlich nicht ganz so. Drogen sind nicht erlaubt. Gewaschen wird mit Asche, geduscht im Fuss ohne Seife natürich und die Toilette, naja ein sog. „Shit-Pit“ bietet 4 Plätze( ein langer Graben mit Paletten zum draufsetzen) die natürlich nicht durch Sichtschutz von einander getrennt sind. Zwei mal am Tag gibt es essen für alle im Food Circle. Bezahlen muss man nicht , wer will kann aber Geld in den Magic-Hat werfen der danach rumgeht. Es waren ca 1000 Leute da, die sich aber sehr weit verteilt in ihren Zelten niedergelassen haben. Alles in allem wars ne gute Erfahrung auch, wenn das gemeinsam Duschen und das teilen der Toilette sehr gewöhnungsbedürftig waren. Jeder konnte arbeiten was er wollte, es gab genug zu tun. Wenn irgendwo jemand gebrauchtwurde, wurde laut gerufen. Das Motto ist „Every Job you see , it´s yours“. Der Ansatz ist gut. Es lebt vom Mitmachen der Anwesenden. Es gibt dort keine privaten Feuer, das heisst jedes Feuer ist offen für vorbeilaufende. Man ist überall willkommen und Menschen freuen sich wenn man etwas von sich teilt und mitteilt. So bekommt man überall Tee oder kann welchen kochen und am Lagerfeuer GItarre spielen und singen.(es ware so viele geniale Musiker da!) Mir hats im großen und ganzen sehr gut gefallen, dennoch hab ichs net länger als 3 Tage ausgehalten. Es war sehr kalt, es hat jeden Tag geregnet und das Essen hat definitiv nicht meinen nötigen Radfahrerportionen entsprochen. Als mein Proviant alle war(sogar das Glas Honig hat dran glauben müssen, da wird ja alles geteilt…) hab ich mich wieder auf den Weg ins Tal gemacht.

ein Bayer beim griechischen Lidl

Nach den Nahrungstechnisch ausgezehrten 3 Tagen, ist es mir doch tatsächlich passiert einen Tag lang kein Essen mehr zu haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten , aber Danke Alex!! für die Überlebensnotrationen… das eine Kilogramm, das ich seit Salzburg mit mir herumfahre. Die trockenen Kekse und das Bröselzeug haben mich durch die Griechischen Berge zurück zur Zivilisation gebracht. Zu meiner großen Überraschung hat der nächste Einkauf ein vermögen gekostet. Griechenland ist da echt nicht billig! Mein von Albanien und Bosnien verwöhnter Geldbeutel hatte schwer zu schlucken. So bleib ich doch öfter mal wieder am Lidl hängen, was in Thessaloniki zu einem für mich sehr lustigen Bild führte. Dort in der großen Stadt, wo edle Autos umherkutschieren, saß ein von oben bis unten verdreckt und verklebter Bayer aufm Randstein vorm Lidl. Er hat ausgesehen, als hätte er 3 Tagen in den Bergen verbracht und sich noch viel mehr Nächte im Straßengraben um die Ohren gehaun. Sein T-shirt hat er verkehrt herum an… weils wohl auf der anderen Seite noch mehr ausschaut. Auf jeden Fall sitzt der da vorm Lidl, mit 4 Dosen Freeway Cola vor sich und lacht Tränen über ein kleines braunes Päckchen, das er in der Hand hält. Für ihn ist es ein Schatz, ein Stück Heimat, ein Stück Kultur aus längst vergessener Zeit. Im braunen Papier eingewickelt sind echte, frische bayrische Brezn! Es ist zwar kein Salz drauf, aber ab dem Zeitpunkt ist Lidl der König Ludwig unter den Supermärkten! Die Nacht hab ich irgendwo auf einer Müllhalde in Thessaloniki verbracht, ich hab vor dem Einbruch der Dunkelheit keinen anderen Schlafplatz gefunden und war auch zu müde um weiter zu fahren. Ich hab mein Rad versteckt, das Zelt aufgebaut und bin Salzverkrustet in den Fahrradklamotten eingeschlafen. Das war definitiv der Tiefpunkt aller Nächte, was die Unterkunft betrifft…

Nicolais Diamantis

Was für ein genialer Name, hört sich fast nach einem Künstlernamen an. Ich saß mal wieder wie so oft zwischen 2 und 4 Uhr am Straßenrand im Schatten und mach grad ne Pause, da hält neben mir ein weißer Lieferwagen. Ein Typ um die 35 grinst und hält mir eine Nektarine hin. Ich spring happy auf, was köstlicheres gabs in dem Moment nicht in der Hitze! Saftig süße Frucht aus Griechenland. Ich dacht mein Glückspegel steigt mal grad wieder auf eine neue Spitze, da kommt der Kerl 15 min später nochmal vorbei. Er war grad einkaufen und wenn ich kaltes frisches Wasser will dann soll ich die 500 Meter zu seinem Haus fahren. Er lebt dort allein, das Haus ist einfach aber komfortabel. Ich wollt eigentlich nur kurz Wasser auffüllen, bleib aber 3 Stunden bei ihm sitzen. Ich kann bei ihm Duschen und Wasche mein Radlzeug einmal durch. Er fragt ob ich Hunger hab, hab ich eigentlich nicht, er meint das macht nichts ,das  kochen dauert 2 Stunden, ich soll mich solange wie zuhause fühlen. Er kocht Gulasch!! Frische Tomaten, Zwiebeln in Öl, Rindfleisch, Lorbeer, Salz , Pfeffer ! Das Essen riecht schon nach 30 min so köstlich! Nach dem Essen packt er mir den Rest in eine Schüssel und schickt mich wieder auf den Weg! An dem Tag fahre ich ins gesamt 140 km bis ich am Abend mein Zelt auf einem Abgeernteten Feld aufschlage und das restliche Essen verschlinge! Der Name des vorzüglichen Kochs , Nicolais Diamantis, griechischer Winzer von Beruf. Cooler Typ.

Wilde Nächte am Strand … das Ende

100km nach Thessaloniki beginnen die Sandstrand Nächte. Wildes und nicht so wildes Campen am Meer, mit Baden im Sonnenaufgang. Ich hab das griechische Paradies für mich entdeckt(„…bin in irgend aner Bucht drin glegn“*sing*). Dennoch hab ich jeden Tag 100km geschafft, die Grenze zur Türkei rückt näher, wobei wir wieder am Anfang des Blogeintrags angekommen sind. Eigentlich hatte ich wenig Lust zu schreiben die letzte Zeit und hab daher auf Videos festgehalten was grad so abgeht… aber ich kann bei der kostenlosen Version von WordPress keine Videos einstellen und irgendwie sind die auch zu persönlich um die bei Youtube hochzuladen. Vielleicht schneid ich sie zu einem zusammen und ich zeigs mal bei nem Bilderanschau Abend zuhause wenn sowas überhaupt stattfindet :P. So das war der vorletzte Blogpost, einen gibts noch aus Istanbul und dann gehts Richtung heimat. Die letzten 100km vor Rosenheim will ich radeln. Freu mich schon in die Heimatstadt einzutrudeln 🙂

Liebe Grüße an alle aus der Ferne.

Leider keine Bilder weil die Griechen mal wieder versagen… Internetverbindung bricht ständig ab am Zeltplatz… eindeutig unterdimensionierte Leitung… ihr dürft euch jetzt vorstellen:

Ilias der alte man aus Florina der mir Augenbrauenzwinkernd Elvis Lieder im Stadtpark vor singt

Gulasch vom feinsten

Mein Zelt auf einem goldenen Feld aus abgeernteten Stroh mit untergehener Sonne im Hintergrund , ich ne halbe Tomate in der Hand und die andere Hälfte im Gesicht

BIlder Nachtrag !!:

DSCN3592

Super Tankstellen Oma, hat mir eine Flasche gefrohrenes Wasser geschenkt, beste Abwehr der griechischen Hitze

DSCN3575

ein Strand für mich allein 🙂

DSCN3557

Fahrradfahrertemperaturen 🙂

DSCN3564

Beachtimebrake

DSCN3547

Sparta !!!

DSCN3545

Klapptandem !

DSCN3538

Mein Schlafplatz in Thessaloniki

DSCN3533

Brezn beim Lidl in Thessaloniki , danke !!:-)

DSCN3507

Gulasch mit Portobello Schwammerl , lecker !

DSCN3460

da schleift mir aufm Rainbow jemand mein Messer im Tausch für meine Ersatz Fahrradpumpe um promt schneid ich mal wieder was kaputt

DSCN3358

Ilias – Love me tender ! Der Augenbrauen-Jongleur !

DSCN3406

griechische Berge, hab keine dieser wunderbaren Tiere gesehen 😦

DSCN3448

griechischer Hundeüberfall an allen Ecken und Enden verpassen mir jedesmal einen Herzanfall…

DSCN3349

Welcome to Greece

DSCN3554 DSCN3543 DSCN3530 DSCN3511 DSCN3508 DSCN3495 DSCN3459

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | 2 Kommentare

Tage 59-69 Per-shen-detia und Mir-paf-shim Albania and Macedonia!

Podgorica Monte Negro –  Shkodra Albanien

Nach den 2 Tagen in der Hauptstadt, die ich bei Backo im Hostel verbracht hab, fällt es mir bereits schwer wieder weiter zu ziehen. Ich hab die Zeit zwar durchgehend im Hostel verbracht, aber es waren außer mir keine Gäste da und ich konnt den Komfort des Hostels für mich ganz allein genießen. Backo hat immer wieder mal nach mir gesehen und mich mit herrlichen türkischen Kaffee versorgt. Wir saßen die Abende bis spät in die Nacht auf Couchen vor dem Hostel bei Bier und Zigaretten und haben viel über das Leben diskutiert. Und so verließ ich am nächsten Morgen die Stadt Richtung Albanien, nach einem letzten Kaffee und einem Besuch in der Apotheke, um was gegen mein immer noch geschwollenes Auge zu finden.

DSCN2853DSCN2842DSCN2860

Der Tag ist heiß , aber die Grenze Nah. Der Weg führt mich durch zwei Grenzdörfer. Züge fahren gar keine nach Albanien. Lediglich einmal am Tag ein Bus hin und zurück. Der Transitverkehr wird über private „Taxis“ oder Kleinbusse geregelt. Touristen seh ich hier gar keine. Ich fahre an einem Markt der Zigeuner vorbei. Es riecht, ist staubig und die Waren die sie einfach auf dem Boden ausgebreitet haben, sieht für mich wie Müll aus. Dennoch sitzen auf einer riesige Fläche unzählige Menschen am Boden und verkaufen ihre Sachen. Schaut ein wenig wie ein Flohmarkt aus. Ich durchquere die letzte Grenzstadt. Es sind noch 10 km bis zur Grenze. Am Wegrand ist kein Platz frei von Müll. Hier und da Brennt ein Feuer… hier wird sich wohl um die Entsorgung selbst gekümmert.

DSCN2864 DSCN2872

Mein Tacho zeigt 30 gefahrene Kilometer an, als ich die Grenze erreiche. Ich reihe mich in der Schlange ein. Neben mir steht ein Reisebus aus Kroatien. Die Leute winken mir und Fotografieren mich aus jeder Fensterreihe. Einer winkt wie ein wilder, anscheinend gefällt ihm wie ich meine Banane esse. Ich grinse mit vollem Mund in die Kamera, rechte Hand Banane, linke Hand Daumen hoch. Ein Wachmann winkt mich nach vorne. Ich darf einfädeln. Eine weitere Minute und Monte Negro liegt hinter mir. Nochmal anstellen für Albanien. Ich bin schon gespannt. Über das Land weiß ich so wenig und hab überhaupt keine Vorstellung. Der albanische Wachmann grinst schon von weitem. Er schüttelt den Kopf und fragt mich aus , das kenn ich schon. Er ist sehr nett.  Mittlerweile steht der Reisebus wieder neben mir, diesmal auf der anderen Seite, jetzt kann mich auch die zweite Reihe der kroatischen Reisegesellschaft beäugen. Ein Mann steigt aus und freudig erzählt er mir, dass er Kroate ist und in 6 Wochen nach Albanien Radln will. Wir plaudern ein wenig. Mittlerweile hat mir der Grenzer den Weg frei gegeben. Ich verabschiede mich und beginne in die Pedale zu treten. Auf albanischer Seite stehen viele LKW´s in der Schlange, es ist nur in der Mitte Platz für ein Auto. Die Fahrer stehen im Schatten dieser Durchfahrt und jubeln mir zu „Welcome to Albania“ so einen Empfang hatte ich noch nie in einem Land. Sie klangen ehrlich und freudig :).

DSCN2888 DSCN2891 DSCN2897

Albanische Straßen:

Mein erster Eindruck verschlägt mir die Sprache. Noch nie hab ich so eine Straße gesehen. Sie ist voller Steine und Löcher, kaum befahrbar. Haha, das ist wohl die alte Straße (kleine Finte:-) ). Die auf der ich unterwegs bin hat solch eine gute Qualität, dass ich kaum treten muss. Ernsthaft, das ist die beste Straße bisher. Kaum Autos, platz für 2 Fahrräder neben einander auf dem Seitenstreifen!Den kann man schon fast als Fahrradweg bezeichnen. Der Asphalt ist perfekt. Die Luft riecht nach Minze! Ich sehe Tabakfelder und Tabakblättern die zum trocknen an Schnüren hängen. Wenn ich vorbei fahre, winken mir Bauarbeiter, Fahrrad-/ Mopedfahrer, Bauern, Autofahrer. Ich bin den Tränen nahe,  mit so viel Freundlichkeit hätte ich nicht gerechnet. Ganz anders als das Touristen verseuchte Monte Negro. Die Häuser sind verschieden farbig aber bunt angestrichen. Die Straße ist Flach, aber Berge sind zum greifen Nahe und ragen hoch hinauf. Sie schauen unglaublich aus, spitz und felsig, total wild und unbezähmbar. Mir gefällt das Land auf Anhieb. Eigentlich wollt ich 100km fahren, aber schon nach 50 km bleib ich beim ersten Campingplatz hängen. Er ist direkt am großen See zwischen Monte Negro und Albanien und ist wunder schön. Die Nacht kostet nur 4 Euro aber es gibt alles was man braucht. Wifi, privat Strand am See, Tischtennisplatte , saubere Toiletten. Kein einziger Touri weit und breit, nur richtige Abenteuertypen. Mein Basecamp zum erkunden des Landes ist gefunden. (ich bin hier 5 Tage hängen geblieben).

DSCN2909 DSCN2912 DSCN2917 DSCN2918 DSCN2923 DSCN2927 DSCN2934

Mein Englischer Wingman

Gleich am ersten Tag lerne ich Joseph kennen. Er arbeitet hier als Voluntär und kommt aus England. Er studiert „Poetry und Fiction“ und will die Insel nach seinem Studium verlassen um fürs Reisen zu Leben. Er will mit dem Fahrrad reisen… we share a heart for cycling… wir werden schnell dicke Freunde und er ist für die Tage mein englischer Flügelmann im Fahrradfahren. Er besucht mich wenn seine Wege durch Deutschland führen. Wir machen an 2 Tagen Fahrradausflüge ins Umland. Dabei erkunden wir alte Ruinen, Brücken und Höhlen. Wir haben nichts geplant und daher können wir unser Glück kaum fassen, als Einheimische uns ohne darum gebeten worden zu sein uns ihre Sehenswürdigkeiten zeigen! Ein Bauer führt uns über sein Grundstück, wir treffen zufällig einen Ukrainer und einen Albaner die auch mit umherwandern. Der Albaner übersetzt uns alles. Wir trinken selbst gebrannten Rakija und rauchen selbst angepflanzten Tabak, beides Teufelszeug, aber nein wollen wir auch nicht sagen. Die Tage Enden mit einem Bad in einem der unzähligen Flüsse. Was für ein Leben !!! Wir sitzen in einem Fluss und können nicht aufhören zu Lachen.

DSCN2956DSCN3023DSCN3025

Die Abende muss Joseph arbeiten, aber es gibt nicht viel zu tun, so sitzen wir mit Gitarre und seiner großartigen Stimme bewaffnet an der Rezeption und spielen Konzerte für den ganzen Campingplatz. Mittlerweile sind wir bei den anderen Gästen gern gesehen und können nicht mehr umhergehen ohne ständig irgendwo auf ein Pläuschchen stehen zu bleiben. Langsam wirds anstrengend mich ziehts bald weiter. Ich bin 5 Nächte geblieben, es war einfach zu günstig und schön.

Hitchhiking Albania – Montenegro – Albania

Irgendwann zwischendrin, ich glaub am dritten Tag hab ich bemerkt dass mein Laptopkabel fehlt. Ich hab es im Hostel in Podgorica( Monte Negro) vergessen. Ich überleg was ich mach, ein neues Kaufen(es gibt nen Laden in Shkodar) oder zurück nach Podgorica. Ich entscheide mich zurück zufahren, auf einen Sprung, aber diesmal nicht mit dem Fahrrad. Ich hab so viele Hitchhiker getroffen, das will ich jetzt ausprobieren. Ich trampe von Albanien nach Monte Negro und nach einem Mittagessen und dem Kabel holen wieder zurück. Der Tag war lustig, das vergessen des Kabels hat sich gelohnt :-), mehr will ich hier dazu nicht schreiben. Abenteuer findet man nur wenn man danach sucht .)

DSCN2974 DSCN2967

Die wirklichen Farben der Hauptstadt Tirana

Jede schöne Zeit hat irgendwann ein Ende, drum bin ich am 6 Tag weiter gefahren. Mal wieder um 5 aufstehen und die Kühle des Morgens ausnutzen. Vor mir liegen 110 km bis zur Hauptstadt Albaniens, Tirana. Ich wollt eigentlich dort zum Hostel Milingona, das mir Backo empfohlen hat. Es kommt aber wie immer anders. Ich fahre in die Hauptstadt ein, wie erwartet 3 Spurige Fahrbahn und viel Verkehr. Ich mach ne kleine Pause am Fußgängerweg. 2 Meter vor mir geht eine kleine junge Frau, mit Rucksack aufm Rücken und ner Gitarre in der Hand. Sie heisst Peggy und  ist auf dem Weg zu einem Hostel und packt mich mit ein. Das Hostel ist total cool eingerichtet, ich fühl mich sofort wohl. Wir gehen mit dem Besitzer  Gergei in ner Nahen einheimischen Küche essen. Tirana ist eine coole Stadt. Zu den Zeiten des Kommunismus waren keine Farben an den Häusern erlaubt. Um mehr Lebensfreude in die Stadt zu bringen hat der Bürgermeister einfach eine Portion Farbe verschrieben(als ehemaliger Kunststudent!) Die Häuser sind so bunt wie meine Ringelsocken.

DSCN3129 DSCN3128

Ich verbringe 3 tolle Tage in Tirana! Die vielen Backpacker im Hostel tun mir gut. Endlich treff ich mal wieder gleichaltrige Reisende. Wir gehen zusammen Abendessen, fahren mit der Gondel auf einen nahen Berg mit herrlicher Aussicht über die Stadt und spielen Gitarre im Park. Die meisten Bekanntschaften die man in einem Hostel macht sind jedoch sehr oberflächlich und man trifft auch alle Arten von seltsamen Gestallten. Über die Bekanntschaft mit Peggy bin ich sehr froh, sie gibt mir mal wieder andere Einblicke wie man sein Leben führen kann.

Ich spüre es, ist mal wieder so weit für eine der Baumis Bike Quests. Eines der Dinge die ich im Leben mal gemacht habe will, ist Musik machen in einer Fußgängerzone , mit einem Hut vor mir. Haha es lief ganz ok, war aber nicht der Burner. Geld hab ich keins verdient 🙂 aber dafür ist mein Ehrgeiz zu üben ums tausendfache gestiegen. Eine Gruppe 9 Jähriger auf ihren Rädern stand immerhin ein Paar Minuten vor mir und haben „gesmiled“ als ich fertig war. Das muss nächstes Mal besser werden.

DSCN3124 DSCN3125 DSCN3143DSCN3146 DSCN3104

Dennoch, in Albanien leben sehr viele arme Menschen, in der Hauptstadt vergesse ich das schnell mal. Die großen Plätze, Cafes und Museen präsentieren eine Metropole von Welt. Ansonsten brennt sehr oft am Straßenrand Feuer, wenn grad mal wieder einer der unzähligen Müllberge angezündet wurde. Viele Leuten laufen in Lumpen herum, betteln, Leben ohne Strom und fließendes Wasser. Unbeschreiblich ist dennoch die Freundlichkeit, mit der jeder mir(einem Fremden) entgegentritt. Die Gastfreundschaft ist ganz groß geschrieben und als Tourist muss man überhaupt keine Angst vor Überfällen oder sonst was haben, wenn man offen und freundlich mit den den Menschen umgeht.

DSCN3161 DSCN3105

Albanische Brieffreundschaft

Nach Tirana will ich in den Süden Albaniens und an die Küste. Ich verlasse das Hostel früh, die letzten Partygänger kommen gerade heim als ich losfahre. Es ist 5 Uhr und noch etwas trunken vom vielen feiern der Vortage fahr ich erstmal ne halbe Stunde im Kreis in der Stadt herum. Macht nix , ich genieß die Ehrenrunde und um die Uhrzeit sind auch lustige Gestallten unterwegs. Anstatt zur Küste zu fahren, mach ich mich jedoch auf Richtung Mazzedonien zum Ohrid See. Aus meiner Laune heraus hab ich meinen Plan umgeworfen und trete schlaftrunken vor mich hin. Irgendwann Vormittag setzt ich mich in ein Cafe und trink 2 Espresso. Die kurze Nacht macht mir doch mehr zu schaffen als gedacht an diesem Tag. Ich will eigentlich meinen Kopf ein wenig zurück legen und den gemühtlichen Stuhl auf der Terrasse genießen, da setzt sich ein Mann mittleren Alters zu mir. Er trägt eine Warnweste und sieht aus als wär er Bauarbeiter. Wir sprechen keine gemeinsame Sprache, aber ein Mischmasch aus italienischen, französischen, deutschen, englischen, albanischen Wörtern und ein paar Zeichen auf einer Serviette reichen, um ein gutes Gespräch zu führen. Er heißt Taip Lami und hat neben Albanien auch in Griechenland und Monte Negro gewohnt. Viele Albaner gehen in andere Länder zum Arbeiten und schicken das Geld an die Familie im Land. Er zeigt mir gute Wege auf der Karte und lässt mich dann ein wenig dösen. Er ist sehr nett und hat gemerkt, dass ich müde bin. Als ich gehen will , kommt er angerannt und will unbedingt meine Rechnung begleichen. Albansiche Gastfreundschaft deutet er mir. Diese Albaner!! unglaubliches Volk. Das war nicht das erste Mal, dass mir das passiert, dabei sah er nicht aus als würd er grad mit Geld um sich werfen können. Ich kanns ihm nicht ausreden. Er begleitet mich zu meinem Rad. Er erzählt mir dass er 4 Kinder hat und er würd sich freuen wenn ich ihnen auf Englisch schreibe damit sie Sprache besser üben können. Das ist das mindeste das ich tun kann. Wenn ich nächstes Mal nach Tirana komm, soll ich bei ihm übernachten… viel zu nett.

DSCN3166

1000 Goldtaler

Ich fahre an dem Tag 110 km und 1450 hm. Ich hab an dem Tag nur 2 Bananen, eine Orange und 1 Honigbrot gegessen. Erstaunlich wie wenig man wirklich braucht. Untertags wird es sehr heiß und ich leg mich 2 Stunden auf meine Matte irgendwo am Straßenrad unter ein Wellblechdach. Die Straße führt in die Berge hinein. Ein wilder Fluss begleitet mich den ganzen Weg, das Wasser ist dunkel braun und sehr Sandig. 5km vor der Mazedonischen Grenze  esse ich noch ordentlich in einem Restaurant damit meine Muskeln genug Energie haben sich über Nacht zu erholen und verbrauch die letzten Reste Leke (Albanische Währung). Eine Familie aus dem Ost-Algäu leistet mir Gesellschaft. Spät Abends steh ich 2 km vor der Mazedonischen Grenze auf einem Hügel und sehe den Ohrid Lake vor mir. Mein Nachtlager ist gefunden. Am Morgen weckt mich die Sonne , die fast direkt aus dem See emporsteigt und mich einen Blick auf  Tausend glitzernde Taler im Wasser schenkt. Ich sitz fast 2 Stunden auf dem Hügel in Albanien und spiel Gitarre zum Sonnenaufgang. Mit ganzer Stimme kann ich hier dazu singen ohne jemanden um mich herum aufzuscheuchen. Nothings Esle Matters, Her I go again, Probiers mal mit Gemütlichkeit! Ein großartiger Morgen! Halbnackt nur mit Fahrradhose trete ich die letzten Kilometer nach Mazedonien, die Morgensonne wärmend auf meiner Haut, ungeduscht, hungrig mit einem Gefühl von  mindestens einer Sonne und 1000 Goldtalern in meiner Brust. Ich rufe “ Freiheit“ und denk dabei an die Szene aus Braveheart. Die Grenzerin , zur Abwechslung mal eine Frau, schüttelt nur den Kopf als sie mich sieht. Kein Lächeln, keine Fragen 🙂 . Mir-Paf-schim Albanien und Falla-men-deri !

DSCN3202 DSCN3200DSCN3206

Per-schen-de-tia Mazzedonien! 

In Mazzedonien leben 60% Albaner. Dennoch fühlt es sich etwas anders an hier. Ich bin nach wenigen Kilometern am Ohridsee. Ein beliebtes Urlaubsziel für in Skopje lebenden Mazzedoniern. Ich hatte immer wieder mal Kontakt mit den Liegeradlern wo ich hinfahre und wo sie hin wollen. Wir haben den Ohridsee als möglichen Treffpunkt besprochen aber nichts festes ausgemacht. Unglaublich ist es da, dass wir uns exakt zum selben Zeitpunkt geschrieben haben, als wir am See angekommen sind, tatsächlich waren wir 5 km von einander entfernt , als wir uns gegenseitig geschrieben haben. Dafür, dass ich eigentlich an die Küste in Albanien wollt, ein doch recht lustiger Zufall. Wir verbringen mal wieder 4 Tage miteinander am Campingplatz. Neben vielen Blödsinn den wir zusammen machen 🙂 wechseln wir auch zum ersten mal die Ketten am Rad. Nach knapp 3000 km guten Dienstes. Messen konnt ich leider nicht obs nötig war, aber ich wollts mal testen wie es geht. Arno ein netter älterer Mann aus Ansbach war uns dabei behilflich. Er ist schon überall herum gereist und hatte ein paar tolle Eindrücke zu teilen. Vom Reisen kann er nie genug bekommen, das Reisefieber hat ihn schon lang im Griff. Ich denke es ist an der Zeit einen Rückspiegel an mein Fahrrad zu bauen. Ich mach mich mit Christoph öfters mal auf in die Stadt. Ich will keinen fertigen Spiegel kaufen. Wir finden zwar einen Fahrradladen aber die Spiegel die nur 5 Euro kosten sind mir nicht aufregend genug. Wir durchstöbern den Basar nach geeignetem Material. An einem Stand der Kosmetik für Frauen verkauft werd ich fündig. Ein Schminkspiegel wird es. Es kostet 20 Dinar. Zurück am Campingplatz leih ich mir Werkzeug vom Chef und schneide mein Alurohr, zu das ich noch vom Zeltstange richten über hab. Mit geliehenem Bohrer, Dremel und Tape bastel ich meinen flexibel verstellbaren Seitenspiegel. Er funktioniert super.

DSCN3211 DSCN3215DSCN3227DSCN3253 DPPP-----Struga10011DSCN3242DSCN3243

Turmspringerweltmeisterschaft-Struga

Durch die eigentlich ganz schöne Fußgängerzone von Struga am Ohridsee fließt ein sauberer, sehr einladender Kanal. Die Höhe von Brückengeländer bis zur Wasseroberfläche sind ca 3Meter und verlocken gerade zu sich in Waghalsigen sprüngen zu „batteln“. Im Gegensatz zu den übliche Touristen, die gestylt und schick durch die Straßen flanieren, zählen wir Radreisenden  zum vogelfreien Reisevolk. Wir müssen nicht auf unser Aussehen achten und um Etiquette bangen. Wir leuchten von innen heraus und ein Blick in unsere Augen zeigt die wilde Freiheit des Lebens, die kein Gewand zu verhüllen mag. Als wir die ersten von der Brücke springen sahen, haben wir nur einen Blick ausgetauscht und schon waren Geldbeutel und T-shirt am Flussufer verstaut und der erste sprang übers Geländer. Hier fand zum ersten Mal in der Geschichte das „Turmspringermatch“ Deutschland – Mazedonien statt. Für Mazzedonien sprangen eine Gruppe Jungs im Teenager Alter und 2 Herren um die 40. Deutschland wurd vertreten durch Christoph Emmes, Sportstudiums-turmspringmeister und Michael Baumgartner, Hochstrasser-See-Sprungbaum-Bauchplatscher-Legände. Die Juri hat klar entschieden. Wir einigten uns dennoch aus gutem Willen zur Freundschaft mit dem Land Mazedonien auf ein Unentschieden. :-)( haha da ging das Schreiben grad mal wieder mit mir durch, aber es war einfach ein genialer Tag)

DPPP-----Struga10049DPPP-----Struga10051 DPPP-----Struga10052DPPP-----Struga10024

Gipsy Jam

Als ich Abends Gitarre spielend am Ufer sitze kommen aus einem Zelt ein Kroate und aus seinem Wohnwagen ein Finne, beide ebenfalls mit Gitarre bewaffnet. Der Kroate hat das Gitarre spielen auf der Straße gelernt als er jung war und hat damit Geld zum reisen verdient. Er spielt echt gut und kann ein paar coole Gipsy Songs. Der Finne kann mit ihm mitspielen und ich versuch ein Paar einfache Akkorde dazu zu greifen. Jukka der Finne ist Grundschullehrer und lernt mir die kommenden Tage ein paar Tricks und versorgt mich mit neuen Noten aus seiner Sammlung. Mal wieder kann ich mein Glück kaum fassen. Der Kroate Ivor brach leider am nächsten Tag gleich nach Griechenland auf. Er hat mir jedoch von einem Festival erzählt dass dort grad statt findet. Leute kommen dort mit ihren Instrumenten hin und spielen zusammen, es ist super um zu lernen wie man gemeinsam Musik macht. Zufälligerweise liegt es genau auf meiner Route (Zufall???!!) Ich hab mein nächstes Ziel der Reise gefunden. Morgen breche ich wieder auf.

DSCN3258DPPP-----Struga15 DPPP-----Struga0007

Bald endet die Zeit des Seele baumeln lassens, gegen mitte August bin ich wieder da, bis dahin, Mir-Pafshim!

DPPP-----Struga10057

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Tage 54-58 Jostein Gaarder, ein Penner in Budva, gebrochen… das Ende meiner Tour?

Nice Place :   http://www.hostelworld.com/hosteldetails.php/Hostel-Nice-Place/Podgorica/51797

Nach dem Tag der schlechten Entscheidungen, bin ich in einem kleinen Hostel in der Hauptstadt Monte Negros untergekommen. Die Stadt ist nicht so groß, hat nur 200 000 Einwohner und nicht viel zu bieten. Das sagt auch der Hostel Besitzer „Backo“(Batschko: It´s the shittiest town in Monte Negro, but its the capital). Das Hostel hat 3 Zimmer und Platz für 10 Leute. Ich fühl mich sofort heimisch. Alle Zimmer betritt man durch die kleine Küche, die sauber ist und alles hat was man braucht(yeah Aircondition). Das Hostel is ne Umgebaute Wohnung im Erdgeschoss. Vor der Haustür stehen 5 Couchen und laden zum abendlichen Gammeln ein. Von außen ist es nicht aus Hostel zu erkennen. Lediglich der Schriftzug „Nice Place“ an der Hauswand deutet darauf hin(es könnt auch Grafity sein, wenn mans nicht weiß) Der Besitzer ist eine Straße weiter aufgewachsen und ein sehr netter Kerl. Er macht den besten Kaffee den ich je getrunken hab und zeigt mir wie er ihn zubereitet(yeah!). Die anderen Gäste fahren früh morgens weiter. Die meisten Gäste reisen per Interrail Ticket und bleiben nur für eine Nacht(shitiest town…). Ich schreib früh morgen den vorherigen Blog Eintrag und Backo versorgt mich mit seinem außerordentlichen Kaffee(hab leider keine Fotos gemacht). Es ist 9.30 , wir trinken Rakija (bosn.: Schnapps). Genau. Ein Gläschen am Morgen ist gut für die Gesundheit. Die alten Leute in Monte Negro machen das alle, sagt der Besitzer, des wegen sind sie ja auch so alt geworden, oder etwa nicht? 🙂 Der Tag fängt also super an, das kann ich auch brauchen nach den ansträngenden Tagen davor.

Mein Plan war eigentlich einen Tag Pause einzulegen und zum größten See ExJu´s zu fahren. Ich überlege hin und her. Ich will Monte Negro nicht gleich wieder verlassen, den See kann ich später noch ansehen, der liegt auf dem Weg nach Albanien. Ich blätter ein wenig in einer Zeitschrift die mir Backo gegeb hat. Ein Artikel gefällt mir:

DSCN2693 DSCN2694

Lovcen

Also entscheide ich mich dafür zuerst die Küstenstädte anzusehen. Mein Tagesziel ist also der Lovcen Nationalpark. Der höchste Berg dort liegt auf 1400 hm. Podgorica liegt auf 20 hm. Mir ists egal , ich denk mir ich muss ja nicht an einem Tag dort ankommen. Ich gammel noch etwas auf einem Hügel direkt hinter dem Hostel herum. Von dort gibt es einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt(die immer noch nicht viel zu biete hat).

Um halb 12 mach ich mich auf den Weg. Ich fahren den ganzen Tag auf der Hauptstraße  nach Cetinje, es sind 60 km und 800hm. Die Straße hat schon viele Tiere das Leben gekostet. Diesmal muss ich wieder an Mario Kart denken.

DSCN2706

Ganz in der Ferne sieht man die Spitze des Höchsten Berges  des Nationalparks, der mit der Antenne. Es sieht viel zu weit entfernt aus um ein ein ankommen zu denken. Es gibt kaum Schatten auf der Route und die Autos brausen knapp an mir vorbei. Ich beginne absichtlich weiter in der Straßenmitte zufahren damit sie mich als Hindernis ansehen und abbremsen oder Spurwechseln müssen(An Stellen hinter Kurven mach ich das natürlich nicht … nur wo man mich schon von weitem sieht, sonst wird einfach keine Rücksicht genommen) Auf diese Weise komm ich ganz gut voran.

DSCN2717

Die Straße ist dennoch gefährlich, aber ich bin ja zum Glück geschützt 🙂 mit Helm und Hut. Bei dem Bild muss ich irgendwie an die eine Karte bei Monopoly denken, „Glückwunsch, du hast den zweiten Preis in einem Schönheitswettbebwerb gewonnen, Ziehe 700 Dm ein.“

DSCN2719

Ich hab die letzten Woche sehr viel mit verschiedenen Lebensmitteln rumprobiert. Leider vertrage ich anscheinend einige Sachen nicht so gut. Dazu gehören Milch, Weißbrot, Nudeln, Haselnüsse… das brachte mich dazu meinen eigenen Zaubertrank zu kreieren.

DSCN2708

Haferflocken, Wasser, Honig, gehackte Mandeln. Ernsthaft, mit dem Zeug kann ich den ganzen Tag Fahrrad fahren, auch wenns widerlich aussieht. In der Hitze beginne ich eine Unterhaltung mit mir selbst. Mein bayrisches ich unterhält sich mit meinem Englischen/Hochdeutschen ich…(ich hab danach nur den Kopf geschüttelt und dacht mir What the fuck…you get crazy when you are too long alone).

Eine Unterhaltung mit meinem bayrischen Ich

Die Unterhaltung war ungefähr so:

„Hä , schau moi do. De Törtel(Turtle=Schildkröte) hods ned gschaft. Ned dass dia ned a so gäht“

„Nene, ich hab ja meinen Zaubertrank , aber Schatten wäre ganz schön.“

„Do am Horizont is a Antenne aufm Gipfe, bei deim Glück muast do hi.“

„Haha , Ja genau, immer die geplante Strecke mal 1.5 nehmen, sagt der Georg, dann hast die wirklche Distanz“

„What he  säz?

… total bescheuert… muss die Hitze gewesen sein. Resultat des Gesprächs war, dass mein Radl jetzt „Bäda, da Bayrische Berg Bock“ heisst und ein kleines Gedicht:

Beim Radlfahrn, ja Radlfahren, da muast schon was vertrogn , beim Radlfahrn,  hats  scho manchen d`Sunn as Hirn verbron.

Lovcen

Gegen 17 Uhr erreiche ich Cetinje. Ich bin schon recht müde und gönn mir ein richtiges Abendessen in einem Restaurant. Ich halte nach Unterkünften ausschau und spreche einige Leute an. Es ergibt sich nichts. Ich erfahre, dass der Nationalpark nur noch 20 km entfernt ist und entschließe mich um 18.30 Uhr noch die 20 km zu fahren. Dort gibts anscheinend einen Campingplatz und Lagerfeuer stellen und und und … 🙂 hört sich gut an. Ich fahre und fahre und fahre und warte dass der Campingplatz jeden Moment kommt, aber nichts. Nach 2 Stunden zeigt mein Tacho 80 gefahrene Kilometer und 1400 hm. Mittlerweile bin ich bei der Antenne angekommen, die ich am Vormittag nur aus der Ferne gesehen hab…

DSCN2724DSCN2728DSCN2736 DSCN2737

Auf dem Weg dort hin sind mir einige wilde Hunde begegnet und sogar ein Rudel. Aber außer bellen konnte die nicht viel. Das einzig fiese waren die „Moskidos“. Ich konnt nicht mal zum pinkeln raus und musst mir anders helfen in der Nacht ( alles muss ich auch nicht in den Blog schreiben 😛 ) Es war mittlerweile schon dunkel und ich hab in voller Regenkleidung( super Schutz gegen Steckmücken) mein Zelt aufgebaut.. Erst am nächsten Tag hab ich die Biester gesehen. Und erst da hab ich bemerkt dass ich tatsächlich 3km unterhalb der beiden Gipfel geschlafen hab. Ich hatte gigantischen Ausblick am Morgen.

DSCN2748 DSCN2758DSCN2761

Monte Negrischer Mountainbikerdepp

Beim erklimmen des zweiten Gipfels in der Früh, überhole ich einen Mountainbiker. Ich glaub den ersten den ich überhaupt hier sehe. Mein ehrgeiz treibt mich an („Den pack i“ :-)). Er spricht kein Englisch, dafür italienisch, das ich aber nicht versteh. Dennoch können wir irgendwie kommunizieren. Ich will eigentlich garnicht mit ihm ratschen und geb ein wenig Gas. Ich kann ihn leider nicht abhängen, erschnauft zwar schwer, aber redet munter weiter. Ganz Stolz vermittelt er mir, dass er für sein fahrrad nur 30 Euro gezahlt hat und dass er es von Kroaten gekauft hat, die es von einem deutschen Wohnmobil runtergeklaut haben. Ich traue meine Ohren nicht. Er grinst wie ein bekloppter und ist irrsinnig Stolz auf sein Schnäpchen(so ein A……) Als ich ihm sag, dass ich Deutscher bin wechseln wir das Thema und er lobt unsere Autos und Fußball… „Deutschland is Number one!“ . Dann sagt er dass er ne Pansion betreibt und ich unbedingt bei ihm einchecken soll, er hat sogar nen Keller, in dem ich mein Fahrrad einschließen kann, damits niemand klaut. Er merkt sehr schnell, dass er bei mir kein Land mehr gewinnen kann. Als ihm auffällt, dass wir die selben Bremsen haben, will er noch meine Ersatzbremsklötze geschenkt haben, er findet nicht mal im besten Fahrradladen(„Tempo“ in Podgorica) keine neuen Bremsklötze. Da Platz mir der Geduldsfaden. Ich sag ihm ich hab keine für ihn , ich brauch sie selber, nächstes Mal soll er sich ein Bike „kaufen“, bei welchem er die Teile kennt. Ich lass ihn stehen. wir fahren mit 10 Meter abstand die restlichen 100hm zum Gipfel. Ich soll noch ein Foto mit seinem Handy schießen, damit er ein Bild von seiner tollen Tour hat… ich will ihn nur noch los werden. Wenn jemand sein Santos Mountainbike wieder erkennt… bitteschön 🙂 achja und da oben lag tatsächlich noch Schnee 🙂

DSCN2769..DSCN2771 

Bei der Abfahrt ist mir leider ein Malheur passiert. Ich hab meine  Provianttasche nicht richtig zu gemacht und so ist sie igendwie in meine Speichen geraten. Die hoch gelobte Ortlieb Tasche, die sonst allem Stand gehalten hat, hat hier zum Glück nachgegeben und den Sturz verhindert. Ich packe die Taschen um und werd Wohl oder Übel nach Ersatz oder eine Möglichkeit zum reparieren suchen müssen. 

 DSCN2768

Ich will weiter an die Küste. Die Abfahrt von 1400 hm auf 20 hm ist wunderbar. Dennoch waren mal wieder 800 hm Gegenanstieg drin. Aus der Ursprünglich geplanten Pause wurden also 150km und 2300hm… wie ich mich doch immer selber überliste… meine Oberschenkel schreien förmlich nach Erholung und so bleib ich 2 Nächte in Budva. Budva ist wie fast alle der Küstenstädte ein Touriloch nur hier liegen Yachten vor der Küste und Jetskies flitzen auf und ab. Ich finde etwas Schatten an einem kleinen Weg hinunter zum Strand und machen dort Pause zum Essen. Leute müssen an mir vorbei gehen wenn sie Richtung Strand wollen. Mein Fahrrad versperrt den halben Weg die Stufen hinauf, es ist aber eigentlich genug Platz zum durchgehen. Ich sehe mittlerweile ziemlich verranzt aus, meine Sachen haben deutliche Salzränder, ich hab sie seit Visoko(also 1,5 Wochen) nicht gewaschen. Mein Bart steht wild zu allen Seiten, meine Haare kleben verschwitzt auf meiner Kopfhaut. Ich sitze im Dreck auf Steinstufen und esse aus der einen Plastiktüte mein Brot und aus der anderen frische Tomaten, die über mein ganzes Gesicht spritzen. Alles zusammen muss das ein ziemlich erbärmlicher Anblick gewesen sein. Mütter nehmen ihre Kinder bei der Hand sobald sie mich sehen, ziehen sie näher an sich herran. Menschen bleiben 5 Meter vor mir stehen und schaun mich erwartungsvoll an, bevor sie abwägen, ob sie an mir vorbei gehen können. Immerhin hab ich ein Messer in der Hand( und schneide Brot) und mir fällt eine halbe Tomate aus dem Mund(die andere hälfte verschwindet genüsslich schmatzend in meiner  dümmlich grinselnden Kauleiste). Ich schau aus wie der letzte Penner und jetzt weiß ich auch wie sich diese Leute fühlen. Mit den anderne „normalen“ Menschen , kann man garnichts mehr anfangen. Ich kann nicht verstehen warum sie sich auf die überfüllte Strände zwängen und will auch garnicht dazu gehören. Ich halte mit meiner freien Hand das kleine Türchen auf und weiße ihnen den Weg. Dankend aber mit Abstand ziehen sie von dannen. Zum ersten Mal spüre ich wie das Aussehen den ersten Eindruck schmiedet, aber aus einer anderen Perspektive. Als ich die Tage zuvor noch durch die ärmlich aussehenden Bergdörfer gefahren bin , stand ich auf der anderen Seite. Naja , nichts desto trotz hätte es mir nicht besser gehen können. Ich hatte tolles Essen und war happy :-), aber wohl hab ich mich in der vollen Stadt nicht gefühlt.

DSCN2781 DSCN2782

Ich bin den folgenden Tag komplett vor meinem Zelt liegen geblieben und hab geschlafen , gelesen und geduscht. Ich habs nicht einmal geschafft zum Strand runter zu gehen. Dummerweise ist mir meine Zeltstange 2 mal gebrochen, nun musst ich wirklich zurück in die Hauptstadt Podgorica um Ersatz zu besorgen, so kann ich nicht nach Albanien…

DSCN2783 DSCN2787

Am nächsten Morgen bin ich um 4 Uhr früh aufgestanden um den Verkehr und der Hitze zu entgehen. Es hat sich gelohnt, ich hatte die ganze Küstenstraße für mich.

DSCN2795 DSCN2799

Jostein Gaarder

Meine Oberschenkel haben sich gut erholt. Ich bin eine verlassene, abgelegene Straße gefahren. Nur selten kamen Autos. Um so mehr war ich über den lustigen Gesellen verwundert den ich fröhlich marschierend entlang der Straße getroffen hab Sein Name ist Trond Muri, er kommt aus Norwegen und ist Lehrer. Seit 8 Jahren läuft er 3 Wochen im Jahr zu Fuß und folgt einer Route aus dem Buch „Das Wihnachtsgeheimnis“ von Jostein Gaarder. Er ist unter anderem der Autor des Buchs „Sophies Welt“ und in seiner Geschichte geht es um ein Spielzeug Lamm aus Plastik das sich auf den Weg durch die Welt macht und ein kleines Mädchen, das diesem folgt. Der verrückte Norweger folgt seit bereits 8 Jahren der Route die das Lamm in dem fiktiven Buch nimmt, immer 3 Wochen im Jahr. In 4. Woche verbringt er dann mit seiner Frau am Zielort , die  ihn dort besucht. Mir gefällt der verrückte Kerl auf Anhieb(ich mag verrückte Menschen:-)) und wir unterhalten uns noch weitere 10 Minuten. Das Ziel seiner Reise ist irgendwann in Jerusalem anzukommen, das dürft aber noch ein paar Jahre dauern. Dieses Jahr geht er bis Tirane in Albanien.

DSCN2809

Gebrochen…

Für mich beginnt meine eigene Aufgabe für den Tag, suche und finde einen Laden der Ortliebtaschen hat.

DSCN2824 DSCN2827 DSCN2826

Bikeshops gibts viele , aber keiner kann mir helfen. Es gibt auch keine Ersatztaschen zu kaufen.(keine die passen würd) Ich will aber nicht aufgeben. Naja, lassen wir die Tasche mal beiseite, kümmer ich mich erstmal ums Zelt. Haha.Nach 2 Stunden suchen ende ich mit viel Süßkram auf einer Bank und muss erstmal Kapitulieren.

DSCN2830 DSCN2831

Mein Gefühl beschreibt am besten dieses Bild:

DSCN2832

Genau, ich fühle mich wie eine Paprikaschote. Eine verlohrene , grün-orangenen Paprikaschote. Bei dem Anblick muss ich so lachen, dass mich die Leute komisch anschaun xD. Dennoch ich geb nicht auf, ich kann doch net wegen ner kaputten Tasche und ner kack Zeltstange heimfahren. (Wo bei es schon sehr verlockend war, Juli Georg, mei Bruder und Anne sind mittlerweile in Bovec bei Ljubiliana am Campingplatz eingetroffen, aber dort hin zu fahre würde aufgeben gleich kommen)

So wenn Monte Negro net mit deutscher Ingenieurskunst zurecht kommt, muss ich den Bastl Baumi auspacken. Nach meinem Lachanfall, frage ich den erst  besten Podgoricaner der mir über den Weg läuft. Er spricht sehr schlecht Englisch, aber ich mach ihm igendwie klar, was mein Problem ist und dass ich einem Baumarkt suche. Sobald er verstanden hab was ich such, sagt er, er führt mich hin, ich soll mit ihm laufen. So viel Freundlichkeit kann ich net verlangen, ich will ihm sagen , dass er mir die Richtung zeigen soll, dann fahr ich selber hin, ich will ihn nicht belästigen. Sein Englisch ist zu schlecht, er sagt ich soll mit ihm laufen. Ich wehre mich nicht weiter gegen seine Hilfsbereitschaft und wir laufen ne halbe Stunde zum „Do it yourself“- Laden. Er ist Student und hat 2 Monate Sommerferien und grad nix besseres vor. Er heist Milo. Im Laden nerven wir jeden Angestellten und ich tüftel rum wie ich die Dinge am besten reparieren kann, er übersetzt. Haha nach kurzer Zeit schütteln die Angestellten nur noch den Kopf und lassen uns machen was wir wollen 🙂 Ich suche Materialien zusammen und tüftel. Nach dem ich sie bezahlt hab, reden wir solange auf die Mitarbeiter ein bis wir Seitenschneider und Eisensäge benutzen dürfen. Wir müssen uns ja von der Qualität dieser Werkzeuge überzeugen bevor wir sie kaufen ;-)(so wie die aussehen hat die eh schon jemand vor mir benutzt) So Zimmern wir kurzerhand eine Halterung für meine Tasche zusammen und schneiden Schienen aus einem Alurohr zurecht, um meine Zeltstangen zu reparieren. Danach hängen wir die Werkzeuge wieder ins Regal. Ein Mitarbeiter hilft uns sogar die Rohre glatt zu feilen , haha. Meine neue Devise : „Geht nicht, gibts nicht!“.Ich weiß nicht wie ich mich bei Milo bedanken soll, drum kann ich ihn leider nur auf ein Eis einladen.

DSCN2835 DSCN2836 DSCN2837 DSCN2838

Wir hatten nen lustigen Nachmittag und ich kehre am Abend wieder in dem Hostel „Nice Place“ ein. Albanien ich komme, morgen, in diesem Sinne, gute Nacht!!

DSCN2839

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Tag 47-53 höllische Berge und himmlische Täler

Diesmal ein kurzes Update, die letzten Tage waren wieder sehr viel Radfahren und wildcampen.

Visoko und die Pyramiden liegen mittlerweile weit zurück. Der nächste Anlaufpunkt ist Sarajevo. Die Stadt hat 300 000 Einwohner und gefällt mir auf Anhieb sehr gut. Da das bei Städten eher selten vorkommt ist das ein großes Lob. Ich bin 4 Tage geblieben, dann hieß es Abschied nehmen von Christoph und Evelin , diesmal endgültig ( bis ich sie nächstes Jahr besuch :)).

DSCN2416

ich hab mittlerweile viel zu viel Zeug, ich sollte etwas verschenken

DSCN2362 DSCN2387 DSCN2396 DSCN2399 DSCN2404 DSCN2407

Wieder allein unterwegs zu sein ist seltsam, mittlerweile brauch ich es eigentlich nicht mehr. Für die nächste Tour suche ich mir Begleitung, das ist sicher. Ich bin mal wieder planlos und so steuer ich erstmal 10km in die falsche Richtung und wieder zurück. Kurz überleg ich wieder in den Campingplatz einzutrudeln und noch ne Nacht zu bleiben, aber nein , ich muss weiter. Der frische Wind weht mir die bevorstehende Höhenluft um die Nase. Bereits 15km von Sarajevo Richtung Osten beginnt es bergig zu werden. Eine wunderbare Bergkette tut sich vor mir auf, ich hätte zu dem Zeitpunkt aber nicht gedacht, dass die Straße genau darüber verläuft. Meine Augen waren groß als ich oben stand und mir bewusst wurd dass ich untenn gehofft hab , da nicht hochfahren zu müssen. Ging besser als erwartet. Die paar Tage Pause haben mir wohl gut getan. Die Abfahrt verläuft durch einen wunderbaren Canyon. Bosnien verabschiedet sich von seiner schönsten, natürlichen Seite von mir. Obwohl ich erst um halb 12 losgekommen bin, stand am Ende des Tages 92 km 1100 hm aufm Tacho, ich hab keine Ahnung wo die hin sind. Das Rad fahren ging an dem Tag besonders leicht (dafür wars die Tage drauf umso schwerer). Die Nacht bleib ich an der Tara. Ein gigantischer Fluss der aus Monte Negro kommt.

DSCN2480 DSCN2481 DSCN2496

Das ist der letzte Tag Bosnien. Kurz vor der Grenze kauf ich mir noch von meinem letzten Geld ein Glas Honig von einem Imker. Der Honig ist zwar sau teuer, aber handeln lohnt auch nicht mehr, sonst liegen die Münzen bei mir rum. Der Imker freut sich, bestimmt denkt der sich „So ein dummer Touri“, egal. Die Berge werden immer wilder. Der blaue Fluss begleitet mich durchgehend zu meiner Rechten. Ich kann mir die nächsten Tage schon vorstellen, es wird hart, sehr hart. In Sarajevo hat mein Gepäck nochmal ordentlich zugenommen. Gitarre, Axt , … manchmal muss ich selber den Kopf über meine Naivität schütteln. Mein Fahrradständer hat sich mittlerweile ganz verabschiedet. Ich sollt mal das Zeug heimschicken oder verschenken, dass ich bisher noch nicht gebraucht habe.

Es liegen wilde Nächte vor mir. Wie wild wusst ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht. Dass ich in diesen Bergen um mein Leben angst haben werde, hätte ich mir  nicht gedacht.

DSCN2506 DSCN2517 DSCN2537 DSCN2545 DSCN2580 DSCN2607 DSCN2637 DSCN2682

Die Landschaft ist wunderschön. Ich schlafe mal neben einer Ziegenherde mal am Fluss. Bisher war immer schönes Wetter und es sah auch nicht nach Regen aus. Mein Zelt stand  letzte Nacht über einem Tal ragend. Ich hab einen super Ausblick auf die Stadt Nicksic. Von weitem seh ich Regenwolken langsam näher kommen. Die Wolken sehen nicht nach Blitz und Donner aus, sie sind leicht grau aber nicht dunkel. So war ich sehr verwundert als knapp über mir ein Donner grollt der sich gewaschen hat. Ich lege mich flach auf dem Zeltboden und zähle die Sekunden zwischen Blitz und Donner. Das Gewitter kommt immer noch näher. Ich lösche das Feuer da der Wind stärker wird. Grad als ich wieder ins Zelt gehen will schlägt 25 Meter von mir entfernt ein Blitz ein. Der Knall war Ohrenbetäubend. Der folgende Donner war so laut dass der Boden vibriert hat. Ich brauche 10 Minuten bis meine Gedanken aufhören zu rasen. Ich überlege ob ich bleiben soll oder abhaun. Ich bin auf offener Fläche, es sind kleine Bäume um mich herum es sollte eigentlich passen. Der Donner ist immer noch so laut dass ich mir die Ohren zuhalten muss. Schlafen kann ich eh net, ich nehm ein Buch zur Hand un beginne zu lesen, ich beruhige mich in dem ich mir denke, so ein Blitz schlägt ja net 2 Mal an der selben Stelle ein(im nachhinein, so ein Quatsch…*facepalm*, natürlich schlägt der 2 Mal an der selben Stelle ein) Ich hab die Nacht kaum geschlafen. Ich der Früh wirft mich eine Kuhherde aus dem Bett. Ich flüchte wie der Blitz :-).

So wie es an manchen Tagen super gut läuft , geht an dem Tag nach der elektrisierenden Nacht gar nicht vorwärts. Ich hab keine Energie mehr Entscheidungen zu treffen, Frage nicht nach dem Weg und fahre einfach so vor mich hin. In Nicksic treff ich einen netten Kerl. Er ist, na was wohl, Informatiker.(Informatiker der Erde vereinigt euch! 😀 ) Wir sitzen auf der 2.ältesten Brücke des Landes und spielen abwechselnd Gitarre und ratschen. Er erzählt mir vom schönsten Fleck Monte Negros. Es ist eine ortodoxe Kirche nicht weit von mir. Sie ist in den Fels gebaut hoch oben in den Bergen. Da klingelt bei mir das Mountainbiker gen, was a Berg , da fahr ich rauf. 2 Stunden später sitz an der Felswand. Der Strom an Pilgern ist enorm, obwohl es nur eine kleine Kirche im Fels mit wenig Platz ist. 2 Nächte kann man dort kostenlos übernachten. Matratzen und Decken werden einfach auf den Steinboden vor der Kirche gelegt, die kann man sich dort ausleihen. Mich hälts hier aber nicht und ich mach mich wieder auf den Weg ins Tal.

DSCN2653 DSCN2654 DSCN2655DSCN2672

Es hat ordentlich Kraft gekostet dort hoch zu fahren. Die Touristen haben alle so blöd gekuckt, da kommen wohl nicht oft  voll beladene Radfahrer vorbei. Es ist aber immer noch der Tag der schweren Entscheidungen und so verfahre ich mich ständig und muss manche Höhenmeter mehrmals fahren. Nach den paar Tagen Monte Negro sind meine Reserven ziemlich aufgebraucht. Ich lande am Abend in der Hauptstadt, weil mein Dickkopf mal wieder nicht stehen bleiben wollt. Es dämmert schon und nun erst bring ichs fertig ordentlich nach dem Weg zu fragen. Ich hab wieder Glück und lande in einem sauberen Hostel mit netten Leuten. Wir sitzen noch bis Mitternacht mit Bier auf den Couchen vor der Unterkunft bis mir Todmüde die Augen zu fallen. Morgen gehts weiter zum größten See in Ex-Jugoslawien. Dort such ich mir ne Stelle an der ich ein paar Tage bleiben kann.

Die geplante Zeit neigt sich dem Ende zu. Ich weiß noch nicht was ich den kommenden Monat anstelle, bis Istanbul und dann wieder heim wird zeitlich knapp. Aber irgendwas findet sich schon da bin ich zuversichtlich :-). Wenn ich wieder da bin gibts a Spofagge( Spanferkel) und a Fassl Bier . Adios

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | Verschlagwortet mit , | 3 Kommentare

Tage 40-47 Indianer Jones Huckelberry Baumi

Pyramiden – Visoko – Sarajevo

Die letzten 9 Tage habe ich in Visoko verbracht. Mittlerweile bin ich den Volontären beigetreten, aus denen der größte Teil des Ausgrabungs Teams besteht. Ich denk schon jetzt spinn ich ganz… ich zahl Geld, damit ich eine Woche lang arbeiten darf, sprich schaufeln, Steine putzen, Schubkarren fahren, Unkraut ausreisen, Stufen bauen, Tunnel graben. Es ist sehr heiß, die Hitzewelle die wir zuhause haben ist auch hier. Wir arbeiten bei 38° im Schatten. Die Nächte in dem stickigen Zimmer, das wir zu 6. teilen sind unerträglich. Ich kann nicht sagen, ob es an dem Zimmer liegt oder, dass ichs nicht mehr gewöhnt bin drinnen zu schlafen, aber ich hab jede Nacht auf der Dachterrasse meine Matte und den Schlafsack ausgerollt und unter freiem Himmel gelegen (nach ein Paar Nächten, haben sich noch andere zu mir Gesellt, die mich zuerst schief angesehen haben 🙂 ) Wir bekommen 3 Mahlzeiten am Tag… welche aber keinen Preis gewinnen würden. Die Gemeinschaftstoiletten werden alle heiligen 3 Tage mal geputzt… was absolut nicht akzeptabel ist, denn die Kombination aus der fehlenden Beleuchtung in den Toiletten (sprich gar keine Beleuchtung nach Sonnenuntergang) und einem dringenden Bedürfnis mancher bei Nacht, hat mittlerweile einen klebrige, übel riechende Substanz am Boden erzeugt, auf die ich nicht näher eingehen will. Die Leute sind vom Charakter her sehr offen, wenn auch etwas „high“. Ohne meine Liegeradler würd ichs hier nicht aushalten, nach all der Freiheit in den Bergen und in den Wäldern.

Hier sind 5 Pyramiden. Die Größte ist 280 Meter hoch, also höher als die in Ägypten. Sie wurde vor ca 10 Jahren entdeckt. Ich kann nicht nachvollziehen, wieso nicht schon viel mehr Leute das Projekt hier unterstützen(Politiker, Militär) oder es anerkannt wurde. Sowohl die Regierung, als auch die Medien und internationale Archäologie Institute verweigern die Unterstützung. Ich bin zufällig auf diesen Ort gekommen und wollt mir ein eigenes Bild machen. Für mich ist nach 6 Tagen arbeiten klar, dass es echte Pyramiden sind und falls nicht ist es auf jeden Fall ein anderer Fund der untersuchenswert ist. Natürlich sind diese Formationen nicht entstanden. Sowas kann man nicht fälschen ohne dass es auffällt. Hier sind viele Sachen anders, als sie bei den anderen Pyramiden erklärt werden. Die Ausgrabungs Leiter sind bemüht , alle Informationen die sie haben mit den Arbeitern zu teilen, dennoch hat man das Gefühl sie wissen mehr. Sie wirken sehr ausgelaugt und müde, was ich mir nur durch den langen Kampf um die Anerkennung dieses Platzes und die unzähligen Gerichtsverfahren erklären kann.

Jeder kann hier helfen die Tunnel unter der Pyramide frei zu legen, was ich als einmalige Gelegenheit seh. Wann bekommt man schon mal die Chance bei einer Archäologischen Ausgrabung zu helfen . Im Moment sind die Grabungen noch 2,5 km von der Pyramide entfernt, in 25 Metern tiefe. Es gibt noch viele ungeklärte Dinge hier, weshalb die Leiter auch unwissenschaftliche Theorien durchsprechen um für alles offen zu bleiben. Das gibt dem ganzen oft einen sehr abgehobenen Charakter und zieht auch dementsprechende Menschen an.

Man trifft hier viele „Energieworker“, Menschen die irgendwelche Kräfte und Auren sehen. Ich will mir dazu keine Meinung bilden, jeder ist irgendwie anders, die meisten sind mir zu „new age“… Das kann schon ganz schön nerven, denn bei viele scheint es nur eine aufgesetzte Fröhlichkeit. Für mich ist es einfach nur interessant mit Leuten aus 20 verschiedenen Ländern in einem Hotel zu sein. Ich hab hier einen polnischen Atomphysiker und eine englische Mama, beide in meinem Alter, kennen gelernt die ich besonders ins Herz geschlossen hab. Wir sind dicke Freunde geworden in der Woche und ich glaub mittlerweile bin ich nicht mehr wegen den Pyramiden hier. Ich freu mich schon drauf sie im kommenden Jahr zu besuchen.

Arbeiten als Voluntär hat für mich außerdem noch einen anderen Reiz. Jeder arbeitet so gut er kann und wie viel er schafft. Da es nicht darum geht möglichst viel Geld zu verdienen, werden ganz andere Möglichkeiten geboten, wie sich jeder selbst einbringen kann. Die Atmosphäre ist sehr angenehm und lässt viel Zeit für Diskussionen und „socializing“. Zwischen 20 und 65 sind alle Altersgruppen vertreten und so profitiert jeder von der Erfahrung des Alters und der jugendlichen Kraft. Ich lern auch über die ein oder anderen Projekte, bei welchen manche ebenfalls als Volontäre mitarbeiten. In meinem Kopf spukt immer noch der Gedanke rum bei einem solchen Projekt für Kinder mitarbeiten zu wollen, mal sehn was sich ergibt.

So nun lass ich aber die Pyramiden hinter mir. Ich hab hier Sonnwende gefeiert, bosnische Spezialitäten kennen gelernt, ein paar Brocken Bosnisch und Polnisch gelernt. Außerdem weiß ich jetzt dass es weit über 1000 Pyramiden auf der ganzen Welt gibt und dass noch lang nicht alle Rätsel unserer Zeit gelöst sind und man vielleicht gerade deshalb auch andere Gedankengänge zulassen sollt.

Ich freu mich wieder auf dem Rad zu sitzen, es schreit schon nach den nächsten 1000km. Meine weiteren Pläne bringen mich jetzt nach Montenegro.

mal wieder ein Treffen der Liegeradler

mal wieder ein Treffen der Liegeradler

Nacht in Visoko am Fluss

Nacht in Visoko am Fluss

Volontär für Pyramidenausgrabung

Volontär für Pyramidenausgrabung

professional mine worker Baumi

professional mine worker Baumi

großer Monolith in den Tunneln

großer Monolith in den Tunneln

bosnischer Indianer Jones

bosnischer Indianer Jones

Dachterrasse des Hotels

Dachterrasse des Hotels

Ausgrabungen auf der Pyramide

Ausgrabungen auf der Pyramide

Bruch der äußersten Schicht der Pyramide

Bruch der äußersten Schicht der Pyramide

polnischer Atomphysiker und Kirschkerntheorien

polnischer Atomphysiker und Kirschkerntheorien

Baden in der Foijnika bei 35 Grad

Baden in der Foijnika bei 35 Grad

elegantester Kopfsprung ever

elegantester Kopfsprung ever

Sonnenaufgang auf der Pyramide anschaun

Sonnenaufgang auf der Pyramide anschaun

Marian the Hitchhiker

Marian the Hitchhiker

sunrise in visoko

sunrise in visoko

DSCN2334 DSCN2335

traditionel bosnisches Essen

traditionel bosnisches Essen

mein Bett auf der Terrasse und meine Bettkonstruktion für Marian die Mumie

mein Bett auf der Terrasse und meine Bettkonstruktion für Marian die Mumie

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | Verschlagwortet mit , , , , | 2 Kommentare

Tag 36-39 Pyramiden und wilde Nächte

Statistik

Tag 35. So lange war ich noch nie von Zuhause weg. Ich war noch nie länger als 12 Tage am Stück im Urlaub. Wenn ihr meine damalige Freundin fragen würdet, ist das für mich ein ordentlicher Schritt 🙂 .
Hier ein wenig Statistik die ich führe:
1800 gefahrene Kilometer, grob 16000 Höhenmeter, 19 Übernachtungen im Campingplatz, 6 in Pensionen/Hostels, 9 mal wild kampieren oder kostenlos irgendwo untergekommen. 25 Tage auf dem Rad, 9 Tage an denen ich keinen Kilometer gefahren bin. Im Schnitt hab ich 20 Euro am Tag gebraucht, das muss noch besser werden. Mittlerweile ist mein Fahrradständer und eine Zeltstange gebrochen, 2 Spanngurte gerissen (Expandergummis vom Obi, die blauen, so ein Glump), jedoch wurd mir noch Nichts geklaut und hab auch Nichts verloren. Außer Mückenstichen, ein Paar Kratzern vom abrutschen am Pedal und einem geschwollenen Auge vom Dreck der Straße und der trockenen Luft hab ich keine Wehwehchen zu melden. Muskelkater hat ich bestimmt schon seit 2 Wochen nicht mehr! Hab bestimmt ein Paar Kilos abgenommen, mir passt jedenfalls keine Hose mehr ohne Gürtel. Selbst die Fahrradhose fängt an lapprig zu werden. Mein Bart musst ich bisher 2 mal Stutzen (mit der Schere aus dem Erste Hilfe Set :-)), die Barthaare jucken sonst zusehr, da wirst ja verrückt). Sonnenbrand hat ich bisher erst 2 mal am Rücken… ka wie das ging, typische Radler Bräune verziert jetzt meinen Körper. Beine bis zum Oberschenkel, Handgelenke bis zum Bizeps und Gesicht sind braun, die Hände, Füße und der Rest immer noch Bildschirmbräune, wie es sich eben für an anständigen Informatiker gehört.

Ostrozac- Dusan -Kiseljak – Visoko

Into the wild
Ich hab mich heute wieder von den Liegeradlern getrennt. Wir haben zwei Nächte bei Dervo am Campingplatz „Miris Ljeta“ (heißt so viel wie „schmeckt nach Sommer“ in Ostrozac verbracht. Wir haben das selbe Ziel, doch so unterschiedliche Art und Weise zu Reisen, dass ich mich gleich am Campingplatz verabschiedet hab. Sie sind einfach zu langsam :-). Der Weg führt weg von der überfüllten Schnellstraße nach Sarajevo, hinein in ein wenig besiedeltes , bergiges Gebiet. Es ist eine Straße eingezeichnet in weiß, sollte also fahrbar sein. Es sind nur 100 Kilometer, aber hohe Berge. Ich hab mir 2 Tage dafür vorgenommen. Ich freu mich auf eine Nacht wild campen in den Bergen, vielleicht fang ich ja einen Fisch oder kann auf einen Gipfel klettern. Wenns der Zufall will, treff ich am Abend die Liegeradler, falls ich doch nicht so weit fahre.(der Zufall wollt nicht)
Die Straße fängt gut an, zwei Autos breit und super Asphalt. Nach 20km wird sie etwas schmäler, der Asphalt ist Mosaik-mäßig mit Rissen übersät und die Berge fangen langsam an höher zu werden. Schon bald endet der Asphalt und wird zu einer festen Rollsplit Straße. Am Rand wachsen ganz viele Holunder Büsche, die in voller Blühte stehen. Zusammen mit etwas Wasser ergibt das ein herrlich erfrischendes Getränk, so werfe ich die Blüten in meine Trinkflaschen und Zitrone hab ich ja auch noch. Ich fahre ein langes, bewaldetes Tal entlang, aus welchem sich ein kleiner Fluss schlängelt. Nach der nächsten Brücke wird die Straße einspurig und verkommt bald zum festen Waldweg. Die Verkehrsschilder, die alle heiligen Zeiten mal kommen, sind aber immer noch so groß, als würd da eine 2 spurige Bundesstraße vorbeilaufen. Mein Tacho sagt 900 gefahrene Höhenmeter, ich stehe an einem Felsvorsprung in überblicke das gesamte Tal das ich entlang gekommen bin. Unglaublich. Mittlerweile könnte nur noch ein Tracktor und Allradjeep diese Straße fahren. Von unzähligen kleinen Bächen, welche die Straße queren, ist diese komplett aufgeweicht. Der Dreck schleudert mittlerweile nur so aus meinen Schutzblechen, dass ich das Gefühl hab, in meinen Schuhe ist ein Blumenbeet. Hilft nix ich muss schieben, die Pfützen haben große Löcher , in denen ich stecken bleib. Mittlerweile ist es 16.30 als ich am höchsten Punkt der Strecke ankam. Ich hab ständig versucht die Liegeradler anzurufen, dass sie diese Strecke unmöglich fahren können, aber ich hatte schon einige Zeit kein Netz mehr. Nachdem ich ein Stück bergab gefahren bin, hab ich bemerkt, dass meine 2 Regenjacken und mein Pulli fehlen. Ich hatte sie oben auf die hintere Tasche gepackt und mit einem Expandergummi festgeschnallt. Ein Hacken des Gummis hing noch am Rad, aber die andere schleifte am Boden hinter dem Rad her. Die Sonne stand schon recht schräg und schien kaum mehr durch die Bäume, es wurd kalt und ich begann zu fluchen. Hilft nix , den Weg nochmal zurück. Ein alter, Kleinbus kam mir entgegen, ich konnte kaum meine Augen trauen. Ich hielt ihn an und frage, ob er Kleidung am Boden gefunden hat. Er versteht erst nicht, aber schüttel dann den Kopf. Er signalisiert mir, dass er aus einer anderen Richtung kam als ich. Es gab immer wieder mal Abzweigungen, aber aus keiner Richtung hätte ich vermutet, dass ein Auto entlang kommen würde. Ich bedanke mich und fahre weiter, zurück Richtung Aussichtspunkt. Nach 5 Kilometern sehe ich das erste Teil am Boden, der Rest lag 10 Meter weiter in einem Bach, Hauptsache 1 Jacke war trocken. Der Verlust der Jacken hat meinen Adrenalinspiegel steigen lassen, der Weg durch Matsch und Schlamm zurück hat an meinen Kräften gezehrt , ich merke wie sie schwinden. Den Weg den ich vorher noch durch die Pfützen gefahren bin, muss ich jetzt schieben, weil ichs nicht mehr packe. Es ist 18 Uhr als ich wieder den höchsten Punkt der Strecke erreiche. Weit komm ich heut nicht mehr, das ist mir klar. Ich halte ausschau nach einer ebenen Fläche. Ich volge einem Trampelpfad etwas weg von der Straße. Ich hab Glück und finde ein Stück, das sogar abgegrast scheint, weit und breit keine Kühe in Sicht, nur ihre Fladen. Ein perfekter Platz um die Nacht zu verbringen. Ist also sicher, dass da keine Minen liegen. Nachdem ich das Zelt aufgebaut hab, suche ich Steine und Holz um Feuer zu machen, dabei bin ich vorsichtig und Klopfe die stellen die ich betrete vorher mit meinem selbst gemachten Wanderstock ab, um die Schlangen zu vertreiben, dies hier massig gibt.., Es dauert nicht lang , dann steht auch schon das Nudelwasser in der Glut. Ich hab noch nie Nudeln am Lagerfeuer gekocht. Ich bin stolz auf mich und es schmeckt auch noch vorzüglich! Ich verbring den Abend mit Gravuren an meinem Wander-/Hundevertreibstock und warte bis das das Holz runter gebrannt ist. Die Wiese ist sehr trocken, ich muss immer wieder aufpassen, dass nichts anbrennt, trotz des Steinkreises. Zum ersten Mal realisiere ich, dass ich ganz allein hier bin. Ich habe noch nie alleine irgendwo in der Wildnis gecampt, noch nie allein für mich ein Lagerfeuer gemacht, geschweige denn darin Lagerfeuernudeln gemacht. Ich bin so tief in den Bergen, dass man weder Autos hört, noch Lichter sieht. Ich bin ganz allein. So ein tiefes Gefühl der Ruhe und Zufriedenheit hab ich in meinem ganzen Leben noch nicht gespürt. Irgendwo ruft eine Eule „Schuhu-Schuhu“ , danach sind sogar die Muchsmäuschen still. Ich habe keine Angst,  bin nicht mehr aufgeregt, wie die erste Nacht im freien, fühle mich nicht einsam, nur ein unglaublicher Stolz schwelgt in meiner Brust . Sobald die Glut unten ist, gehe ich ins Zelt. Es war ein anstrengender Tag. 50km und 1189 hm, davon 20km durch Schlamm und Geröll, super! Was wohl die Liegeradler grad machen?
Auf nach Visoko
Am nächsten Tag räum ich alles zusammen, schütte die ausgehobene Erde über die restliche Glut und lösche sie mit Wasser ab. Ohne Frühstück setze ich mich aufs Rad. Heut sinds nochmal 50km aber nur bergab also easy. Jedesmal wenn die Straße breiter und besser wird, jubel ich laut ins Tal hinunter. Als der Asphalt kommt, macht sich in meinem Kopf der die Titelmelodie von Star Wars breit, die ich laut vor mich hin Summe. Mein Frühstück besteht aus Aiwar auf einem Frischen Brot und zwei Tomaten. Für die Radlpower ess ich 3 Esslöffel Haferflocken mit Wasser. Mir fällt auf dass ich bestimmt 2 Wochen kein Bayrisch gesprochen hab und mach „Da Huwa da Meier und I“ in dem Mp3 Player und brabel vor mich hin.(Ein Stück Heimat fürs Herz). Mittags bin ich schon eine Stadt vor Visoko und wollt langsamer machen, damit ich die Liegeradler die kommende Tage dort treffen kann. Die brauchen bestimmt länger als ich, dacht ich… aber auch wenn wir die gleichen Wege fahren, das Schicksal hat was anderes mit uns vor. Anscheinend haben mehrere Leute entlang des Weges, sie gleich die erste halbe Stunde des Vortags drauf hingewiesen, dass die Strecke mit ihren Rädern unmöglich fahrbar sei(ich hab sie ja telefonisch nicht erreicht) und so hab ich mich gewundert, als ich ihre SMS bekam, dass sie vor mir in Visoko sind und auf mich warten. Die alten Schummler :). Wir haben den frühen Nachmittag im Cafe verbracht und nebenbei versucht, uns um eine Schlafmöglichkeit für Abends zu kümmern, ohne Erfolg. Dabei haben wir Irfan getroffen. Er studiert „agriculture“ und ist 26 wie ich. Er bietet uns an im Haus seines Opas zu schlafen , aber wir sollen es uns erst ansehen, ob wir das wollen. Er holt den Schlüssel und nach einer Stunde ist er wieder da. Er sagt er hat mit seinen Vater gesprochen, der sagt ok , aber nur wenn Irfan die Nacht mit im Haus schläft. Uns ist das recht. Lustig jetzt sind wir diejenigen, denen man vielleicht nicht ganz traut(oder weil die Nachbarschaft so gefährlich ist? Wir wissens nicht). Ich folge ihm kreuz und quer durch die Stadt, in welcher überwiegend Muslime wohnen. Als wir am Haus ankommen hab ich schon eine Befürchtung warum wir es uns zuerst anschauen sollen. Irfan ist sehr nett, er sagt, ihm wäre es lieber wir finden etwas besseres für die Nacht. Es hat ein Bad, aber Dusche und Klo funktionieren nicht. Es ist sehr schmutzig. Der Garten ist  leider klein, felsig und nicht zum campen geeignet. Da ist mir mein Zelt lieber, aber Irfan war so nett! Bier oder Tabak wollt er nicht, er ist Muslim. Ich bedanke mich tausendmal und verspreche anzurufen, falls wir Hilfe brauchen, aber wir suchen weiter. Zurück bei den Anderen ist die Situation schnell entschieden, ich zeige Fotos und erkläre wie es aussieht. Wir suchen weiter, aber getrennt. Evelin will nicht mehr viel fahren heute, ich möcht aber zum Fluss, nach der Nacht mit Lagerfeuer und Schlamm. Wir treffen uns morgen wieder und schlagen uns allein los. Am Rande der Stadt treff ich einen Radler. Er hat Fahrradhose und Trickot an auf meinem etwas in die Jahre gekommenen Fahrrad der Marke „Spezialized“. Es ist ein hochwertiges Bike und ich sprech ihn sofort an, ob er einen Campingplatz in der Nähe kennt. Ich weiß zwar, dass es keinen gibt und wild campen erlaubt ist, aber so ist gleich klar, dass ich kein Zimmer will. Er bespricht sich mit einem Freund, wo es Möglichkeiten zum campen gibt. Nach einiger Zeit sagt er mir, dass ich bei seinem Haus schlafen könnt. Er telefoniert und nach 2 min kommt ein relativ viel tatoowierter Freund von ihm angeradelt. Er heißt Kemo, hat eine rasierte Glatze und einen typisch muslimischen Bart. Er erscheint mir etwas zwielichtig. Wir fahren 10km aus der Stadt und dann 200hm steil in die Pampa. Unterwegs versichert er mir, dass ich Glück hab, sie rauben mich nicht aus, sie sind gute Menschen. Sie haben heuer das erste Mal Bienen und ein kleines Häuschen in den Bergen, dort könnt ich übernachten. Bin mir noch etwas unsicher, aber während dem radeln lern ich die beiden besser kennen und ich hab wirklich Glück :-)(Sympathie und so, er hat ebenfalls ein Radlerherz). Das Haus ist der Wahnsinn. Es ist eine kleine 2 Stöckige Hütte mit Strom und Wasseranschluss. Sie zeigen mir auch ihre Bienen und Gemüsebeete. Wir sitzen eine ganze Weile beisammen und reden über alles mögliche. Familie, Bosnien, Politik, Bienenkunde und was uns drei am meisten verbindet, das Fahrradfahren 🙂 (die beiden sind auch so begeistert wie ich) Wir essen Wassermelone die ich schon Vormittag eingekauft hab und sie kochen mir unglaublich gutes Rührei. Kemo sagt er muss es sich immer selbst zubereiten, seine Frau zeigt ihm den Vogel wenn er ihr sagt sie soll ihm welche kochen. Wir lachen alle drei. Emir ist sein bester Freund und ich lad ihn ein eine Nacht in Rosenheim zu bleiben. Er will im September mit dem Rad von Ljubillana nach München radeln. Ich hoff da bin ich schon daheim :). Sie verabschieden sich bald, beide wollen zu Frau und Freundin. Jedoch nicht bevor sie mir nicht noch Huhn und irgend eine bosnische Spezialität aus dem Gefrierfach holen. Als ich Brot mit Ajwar, Zwiebeln und Knoblauch gegessen habe(für mich des Höchste) haben sie mich nur komisch angeschaut und gesagt ich soll was vernünftiges essen. Ich konnt sie grad noch davon abhalten mir später noch was gekochtes von der Mama vorbei zu bringen. Wahnsinn! Des wär zu viel… Ich treff sie morgen wieder, ich freu mich.
Unglaublich, gestern die Nacht in den Bergen und im vollen Gegensatz dazu der Nachmittag in Visoko. Der Lärm und laute Musik sind sehr anstrengend und ich hab gehofft dem zu entgehen für die Nacht. Und jetzt sitz ich wieder hier , mitten am Berg mit einer wunderbaren Aussicht und Ruhe und kann nicht fassen was für ein Glück ich habe. Bosnien ist von der Natur her wunderschön. Flüsse und Berge. Langsam bekomm ich mehr Einblick in das Leben im Exjugoslawien. Bosnien scheint sehr korrupt was Politik und Polizei angeht. Ich hab oft das Gefühl, dass sie Ausländern gegenüber viel freundlicher sind als unter Einander. In den Köpfen der Menschen herrschen noch die Nachwirkungen des Krieges. Fremden Menschen, die im nächsten Dorf wohnen vertraut man weniger, als so einem Fahrradfahrer aus Deutschland. Wenn ich 50km weiter gekommen bin und jemanden treffe und meine bereits gefahrene Route erkläre, hör ich ganz oft: „Was da bist du durchgefahren, das ist gefährlich“. Und werd vor den Leuten und bestimmten Regionen gewarnt. Und wenn ich dann dort bin sind sie genauso nett wie die, die mich gewarnt haben. Schon eine eigenartige Welt, wenn man dem Nachbarn nicht mehr vertrauen kann. Auch ist es schwer als Muslime und Christen an einem Ort zu leben. Ganz oft sind Dörfer entweder christliche oder muslimisch, fast nie beides.(gemessen an Moscheen und Kirchen).

Den kommenden Tag hab ich in Visioko am Fluss verbracht. Wieder in Gesellschaft der Liegeradler, haben wir dort den Tag genossen. Sie wollen am darauf folgenden Tag als Volontäre bei den Ausgrabungen an den Pyramiden helfen dir vor 9 Jahren hier begonnen haben. Ich werd wohl auch ein paar Tage bleiben und mir das mal ansehen. Wir beschließen die Nacht zusammen am Fluss zu verbringen. Ich hab Kemo bescheid gegeben wo wir sind, er hat den Platz abgesegnet. Wir kochen Nudeln mit vegetarischer Soße und spielen Kniffel, haha :-). Die Nachtruhe ist „durchwachsen“. Verzeichnete Geräusche: Hunderudel!, Muslimischer Gebetsruf(in der früh und am Abend), ein Gockel , viel Hundegebell. Doch am meisten erschreckt, hat mich das Auto das um 12 Uhr direkt auf unser Zelt zugefahren ist. Wir waren eigentlich sehr versteckt und uns sollte dort niemand finden. Als dann die Scheinwerfer auf die Zeltwand schienen war mir klar „Oh shit das gibt ärger“ Ich hechte aus dem Zelt, war noch ganz verschlafen. Ich höre jemanden rufen, es dauert eine Zeit bis ich verstehe: „Mihail“ . Haha es waren Kemo und Emir. Sie hatten Bier für mich dabei und wollten mich noch kurz Besuchen. Es dauert eine Zeit bis mein Herzklopfen aufhört, das könnt ihr euch vorstellen. Die beiden sind super nett. Wir lachen noch viel und ich werd wieder ins Bett geschickt :). Um 4 Uhr Nachts  treffen wir 3 Radler uns nochmal zufällig beim Pinkeln xD. War auch ein lustiger Moment. Jeder in einem andern Eck xD.

Also wie man hoffentlich hört gehts mir gut. Mein Bruder gesellt sich bald zu mir, ich freu mich schon 🙂 Liebe Grüße an zuhause. Grad ruft wieder mal der Muhezin. Es wird langsam Istanbulischer 🙂  . Sche-wiljiä !(prost)

Aus zeitgründen die Fotos ungeordnet unten drangepappt.DSCN2071 DSCN2081 DSCN2112 DSCN2115 DSCN2124 DSCN2155 DSCN2161 DSCN2177

Veröffentlicht unter Rosenheim - Istanbul | 1 Kommentar